Handymast soll weg, weil er nicht ins Stadtbild passt

Kempten | sf | Die Stadt will gegen den Handymasten auf dem Gebäude des ehemaligen Möbelhauses Mader in der Stiftsstadt vorgehen. Allerdings nicht, weil er möglicherweise die Gesundheit der Kinder in der Fürstenschule gefährden könnte, sondern weil er aus gestalterischen Gründen nicht ins Stadtbild passt. Dies erläuterte Baureferentin Monika Beltinger in der jüngsten Bauausschuss-Sitzung vor vollen Besucherrängen. Zahlreiche Stiftstadtbewohner verfolgten die Sitzung.

Da der Masten kleiner als zehn Meter sei und die Strahlung die Grenzwerte einhalte, gebe es zunächst keine Chance gegen die Mobilfunkanlage vorzugehen. Beltinger: 'Nach dem Bundes-Immissionsschutzgesetz ist die Anlage in Ordnung und bedeutet keine Gefahr für die Schule.' Die einzige Möglichkeit biete die Gestaltungssatzung für die historische Innenstadt. 'Darin', so die Baureferentin, 'ist ein Passus über Freileitungen und Antennen, die das Ortsbild nicht nachhaltig beeinflussen dürfen.'

Doch genau dies sei bei dem Handymasten auf dem Gebäude Memminger Straße 43 der Fall: 'Das Stadtbild wird beeinträchtigt.' Deshalb werde die Stadt jetzt T-Mobile auffordern, die Sendeanlage bis zu einer festen Frist wieder abzubauen. Sollte das Unternehmen dem nicht nachkommen, werde ein Bescheid mit Androhung von Zwangsgeld erlassen. Gegen diesen Bescheid könne T-Mobile dann Klage vor Gericht einlegen.

'Warum muss erst ein solcher Aufstand gemacht werden, bevor etwas passiert', fragte Stadträtin Elisabeth Brock und verwies auf den Proteststurm aus der Stiftsstadt. Hätte die Stadtverwaltung nicht vorher Alternativ-Standorte suchen sollen, um die Errichtung neben der Fürstenschule zu verhindern?

'Welche Orte hätten wir denn in der Stiftsstadt nennen sollen?', entgegnete Oberbürgermeister Dr. Ulrich Netzer. Auch an anderer Stelle lebten Betroffene. Damit würde nur einer gegen den anderen ausgetauscht. Außerdem gebe es da noch den Grundsatz-Beschluss des Stadtrats, keine Sendeanlagen auf städtischen Gebäuden zuzulassen. Vielleicht müsse diese Entscheidung überdacht werden, so der OB.

'Scheinheiligkeit'

Stadtrat Erwin Hagenmaier ärgerte sich über die 'Scheinheiligkeit' in der ganzen Sache: Einerseits würden die Eltern ihren Kindern Handys kaufen, damit diese sich jederzeit melden könnten. Und andererseits wunderten sich dann die gleichen Leute darüber, dass ein Handymasten für die Übertragung nötig ist: 'Der Kunde hat es doch selbst in der Hand. Wenn jeder sein Handy abschafft, brauchen wir auch keine Sendeanlagen.'

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen