Vorarlbergmuseum
Halbzeit auf der Vier-Jahres-Baustelle in Bregenz

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Für sein neues Landesmuseum nimmt das Land Vorarlberg richtig viel Geld in die Hand. 35 Millionen Euro soll das Haus kosten, das derzeit am Bregenzer Kornmarkt entsteht. Im Oktober 2009 schloss das alte Museumsgebäude endgültig seine Pforten. Vier Jahre soll der Neubau in Anspruch nehmen. Am Freitag feierten alle am Projekt Beteiligten das Richtfest. Für den neuen Museumsdirektor Dr. Andreas Rudigier bedeutete dies einen der ersten offiziellen Termine in dieser Position. Denn mitten in der langen Bauphase hatte sich der bisherige Leiter Dr. Tobias Natter überraschend verabschiedet.

Es muss ordentlich Ärger gegeben haben hinter den Kulissen der zur Zeit heimatlosen Einrichtung. Denn Tobias Natter konnte Erfolge verbuchen. Im Jahr 2006 war er angetreten mit der Ankündigung, dem Museum ein schärferes Profil zu geben. Tatsächlich rückte er sein Haus mit anspruchsvollen und ansprechenden Ausstellungen wie 'Angelika Kaufmann. Ein Weib von ungeheurem Talent' (2008) und 'Schnee, Rohstoff der Kunst' (2009) ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Dass er im Mai das Handtuch warf, stellte die Eigentümerin des Museums, die Vorarlberg Kulturhäuser Betriebs-GmbH (ihr gehören auch das Landestheater und das Kunsthaus Bregenz) vor Herausforderungen – vor allem aber seinen Nachfolger Rudigier, der ein halb ausgereiftes Konzept erfassen, prüfen und in korrigierter Form umsetzen muss.

Ob der anvisierte Eröffnungstermin Mai 2013 auf den Monat genau zu halten ist, stellt der 46-jährige Direktor in Frage. Das Vorarlbergmuseum (so der neue Name der Einrichtung) erhält viel Platz. Es entsteht fünfgeschossig auf der über 2000 Quadratmeter großen Grundfläche des abgerissenen, alten Museums plus der angrenzenden ehemaligen Landeshauptmannschaft zwischen Seestraße und Kornmarkt. Erdgeschoss und 1. Stock bleiben Verwaltung, Technik und der Kulturvermittlung vorbehalten. In den oberen drei Stockwerken können künftig ausgewählte Exponate der rund 150 000 Objekte umfassenden Sammlung des Landesmuseums präsentiert werden.

Aufbewahrt werden all die Schätze, die Kultur und Geschichte Vorarlbergs dokumentieren, normalerweise in Depots im Bregenzer Vorkloster, einem Ortsteil in Richtung Hard.

Ein Schaudepot wird im zweiten Stock des neuen Museums eingerichtet. Das Konzept geht noch auf Tobias Natter zurück und soll das Karteikartensystem der Sammlung verdeutlichen. In 26 Gruppen, die jeweils einem Buchstaben des Alphabets zugeordnet sind, werden zueinander gehörende Gegenstände gezeigt. Allein zu einem Buchstaben – zu J – finden sich keine Schaustücke.

'Damit wollen wir dokumentieren, dass zum Thema Judentum nicht gesammelt wurde', erkläutert Andreas Rudigier, der jahrelang als freiberuflicher Kunsthistoriker bei vielen Projekten im Land Vorarlberg gearbeitet und in den vergangen zwei Jahren dem Beirat des Landesmuseums angehört hat.

Im dritten Stock sollen sich Besucherinnen und Besucher auf einen zeitgeschichtlichen Rundgang machen. 'Es ist nicht leicht, 10 000 Jahre in den vier Flügeln dieses Geschosses unterzubringen', sagt Andreas Rudigier. Der Fundus des Landesmuseum reiche nicht aus, um eine schlüssige und lückenlose Zeitwanderung zu nehmen. 'Wir brauchen Leihgaben und Reproduktionen.

' Grund: Die Sammlung bilde mitnichten eins zu eins die Vorarlberger Geschichte ab. Nicht aufgearbeitet sei etwa die Zeit nach 1945. 'Wir müssen uns gezielt auf die Suche nach Objekten machen', so Rudigier.

Weiter Blick über den See

Das Konzept für den dritten Stock ist noch nicht ganz ausgereift. Möglich wäre eine Kombination einer etwa im Zwei-Jahres-Rhythmus wechselnden mit einer ständig wechselnden Ausstellung. Ein spezieller Ort im obersten Geschoss wird mit Sicherheit die Besucher anziehen: Der Panoramaraum mit einem 14 Meter breiten, bis zum Boden reichenden Fenster, der einen weiten Blick über den Bodensee ermöglicht.

Dieses spektakuläre Fenster ist eines von fünf Kunst-am-Bau-Elementen, die im neuen Museum vorgesehen sind. Ein Weiteres ist schon jetzt an der Fassade zu sehen – und sorgt für kontroverse Diskussionen. Der Südtiroler Künstler Alois Mayr hat in Anlehnung an die in der Baugeschichte immer wieder auftauchenden Blütenmotive die Böden von PET-Flaschen mit Beton ausgießen lassen. Die so entstandenen ornamentalen Formen werden über einen Teil der Außenwände verteilt.

So sollen sich die Vorarlberger Kulturhäuser in Bregenz nach Vorstellung der Architekten künftig an der Seestraße präsentieren. Rechts das neue Vorarlbergmuseum. Die Fassade im unteren Teil wurde vom früheren Gebäude der Bezirkshauptmannschaft erhalten. Darüber der große Schauraum mit Seeblick. Modell: cukrowicz nachbauer architekten

Direktor Andreas Rudigier vor der Museumsbaustelle. Auch die temporäre Verkleidung des Geländes ist ein Kunst-am Bau-Projekt. Foto: Ingrid Grohe

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