Marktoberdorf
Gutes Rad ist teuer

Wie jedes Halbjahr hat die Stadt Marktoberdorf Fahrräder versteigert, die im Stadtgebiet gefunden, aber nie von ihren Eigentümern abgeholt wurden. Mit launigen Worten gab Bürgermeister Werner Himmer den Auktionator. Diesmal floss der Erlös ausnahmsweise nicht in die Stadtkasse, sondern an die Kreisverkehrswacht zur Unterstützung der Schulweghelfer.

Mit 19 Rädern war die Auswahl vergleichsweise mager. Bei früheren Versteigerungen gab es ein Vielfaches dessen. Und dann schrumpfte die Auswahl auch noch in den letzten Minuten vor Beginn der Versteigerung: Zwei Besitzer erkannten ihre alten Räder wieder, konnten dies auch nachweisen und sie sofort mitnehmen.

Der Start der Auktion war, nun ja, mühsam. «Ich probier es erst mal mit den Büchern», sagte Himmer. Seine Formulierung ließ schon ahnen, dass selbst sein Optimismus nicht ausreichte. Es ging um einen Karton mit 48 Büchern von «Readers Digest», also «keine Schundliteratur», wie Himmer betonte. Fünf Euro lautete das Mindestgebot für den ganzen Karton. Aber der Bücherberg war dann doch zu groß für die Besucher, die Räder wollten.

Ein Euro Mindestgebot

Das Mindestgebot für die Drahtesel lag bei einem Euro. Himmer mühte sich nach Kräften, mehr herauszuschlagen. Einen Jugendlichen ermunterte er, noch höher für ein Rad mit zwei Platten zu bieten: «Komm, das Rad richtest du her und verkaufst es dann für 50 Euro.» Zumindest Himmers Rechnung ging auf und das Rad für acht Euro an den Jugendlichen.

Mal pries Himmer «die umfangreiche Zusatzausrüstung», als er aus der Lenkertasche eines Rads Mütze, Karte und Schraubenschlüssel zog, mal legte er noch einen Kalender der Stadt drauf, um den Preis nach oben zu treiben. Ein altes Rad ohne Gangschaltung war bei Himmer ein nostalgisches Liebhaberstück und Ausdruck der Sportlichkeit des Fahrers («für Leute, die sagen, ich komme auch mit einem Gang voran»).

Manchmal musste er um jeden Euro kämpfen, mal entwickelte sich das Bieten zu einem heißen Wettkampf zwischen den Interessenten, dem Himmer zusätzlich Nahrung gab. «Komm, machen wir die 100.» Und tatsächlich, das Mountainbike ging für 102 Euro weg. Dafür gabs sogar Applaus.

Das Ergebnis: 400 Euro für die Schulweghelfer

Manche Drahtesel eigneten sich allenfalls noch als Ersatzteilspender und gingen für einen Euro weg. Der Durchschnitt lag bei etwa 20 Euro, was für viele Räder ein günstiger Preis war. Für manche gut dastehenden Exemplare wie der Spitzenreiter für 102 Euro war der Griff in die Tasche tiefer.

Nach einer Dreiviertelstunde waren die Räder weg und 400 Euro in der Kasse. Nur die Bücher, die wollte auch am Schluss niemand haben.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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