Konstanz
Gute Stimmung auch ohne Oasis

Die meisten wussten es schon bei der Anreise: Oasis hatten sich ausgerechnet in der Nacht vor «Rock am See» aufgelöst. An Stelle der legendären britischen Band rund um die hitzköpfigen Brüder Liam und Noel Gallagher sollten nun die etwas altersschwachen Deep Purple auftreten. Doch Trauer und Wut unter den Besuchern hielten sich in Grenzen, und die Veranstalter blieben von massenhaften Kartenrückgaben verschont.

Gleich zum Auftakt des eintägigen Festivals im Konstanzer Bodenseestadion ließen die Nachwuchsrocker von den Kilians und Sugarplum Fairy vor allem Mädchenherzen höher schlagen. Beiden Bands haftet allerdings zu sehr das Manko an, bloße Plagiate ihrer Vorbilder zu sein, als dass man sie wirklich ernst nehmen hätte können. Eigenständiger und kreativer spielten da schon The Sounds auf. Ihr teils sehr eingängiger Synthie-Rock lieferte angenehme Nachmittagsunterhaltung. Danach kam mit Kasabian ein erster, echter Höhepunkt des Tages auf die Bühne. Während die Engländer in ihrer Heimat längst die ganz großen Hallen ausverkaufen, entwickelt sich ihr Erfolg in Deutschland eher gemächlich.

Kasabian präsentierten ihre dröhnende Mischung aus düsteren Beats und stampfenden Gitarrenriffs derart cool und sympathisch, dass sie schnell auch diejenigen auf ihrer Seite hatten, die ihre Songs bislang gar nicht kannten.

Danach waren The Hives und ihr Rock n Roll in der Tradition der Sechziger an der Reihe. Mit augenzwinkernder Arroganz haben sich die Schweden nach oben gespielt und anders als befürchtet, langweilt ihre Masche auch nach dem zigsten Konzert keineswegs. Frontmann Pelle Almqvist springt nach wie vor unglaublich aufopfernd und amüsant die Bühne auf und ab, während sich die restliche Band im überdrehten Grimassenschneiden übertrumpft.

Genau diese Gabe zur Selbstironie fehlte der vierten schwedischen Band des Festivals leider gänzlich. Mando Diao galten nach der Absage von Oasis ganz offensichtlich vielen als der eigentliche Headliner, doch zu mehr als einem soliden Konzert reichte es nicht.

Ja, und zum Abschluss dann also die Band, die einst «Smoke On The Water» in die Welt entließ. Tags zuvor hatten Deep Purple in Bodenseenähe ein eigenes Konzert gespielt, nun sprangen die betagten Herren ehrenwerterweise als Ersatz ein. Nicht nur die Tatsache, dass mittlerweile nur noch ein Gründungsmitglied an Bord ist, sondern auch die etwas maue Songauswahl machte den Auftritt zu einer eher lauwarmen, nostalgischen Angelegenheit.

Vielleicht sollte man das Ganze aber einfach als Wink an Oasis betrachten: Eine Trennung zur richtigen Zeit kann manchmal die ganz und gar richtige Entscheidung sein.

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