Memmingen
«Gute Lösung für das Stadtbild»

Was soll mit der leer stehenden Haferkamp-Villa gegenüber dem Memminger Finanzamt geschehen? Diese Frage sorgte im vergangenen Jahr für Diskussionen im Bausenat des Stadtrats und unter den Bürgern (wir berichteten). Die Vorschläge reichten von der Einrichtung eines Jugendcafés bis hin zum Abriss des rund 100 Jahre alten Gebäudes. Mittlerweile hat der Finanzsenat in nicht öffentlicher Sitzung einem privaten Unternehmer ein Erbbaurecht für 60 Jahre eingeräumt - und zwar mit der Vorgabe, das Gebäude zu sanieren und als Wohnhaus zu erhalten.

Im Juli 2009 hatten die Mitglieder des Bausenats noch eine Bauvoranfrage eines anderen Investors abgelehnt, der das Haus nicht nur sanieren, sondern auch um Büroflächen erweitern wollte. Diese gewünschte Erweiterung war letztlich der Grund für die Ablehnung. Denn die Stadt ist seit vielen Jahren bestrebt, den grünen Graben um die Innenstadt von neuer Bebauung frei zu halten, da er prägend für das Bild der historischen Altstadt sei. Schließlich regten in der damaligen Bausenatssitzung Heimatpfleger Uli Braun (Freie Wähler) und dessen Stadtratskollegen Wolfgang Courage (Christlicher Rathausblock) und Dr. Hans-Martin Steiger (SPD) an, das Haus im Sinne des Grüngürtels abreißen zu lassen.

Für einen Abriss sprach in ihren Augen auch, dass die Stadt angesichts mehrerer großer Bauprojekte nicht das nötige Geld für eine entsprechende Sanierung der Villa habe.

Renovierung für Stadt zu teuer

Auch ein Antrag von Stadtrat Thomas Kästle (SPD), der die Einrichtung eines Jugendcafés sowie die Unterbringung der Geschäftsstelle des Stadtjugendrings in der Villa vorsah, wurde abgelehnt. Denn die von der Stadtverwaltung veranschlagten Sanierungskosten von rund 500000 Euro waren den Stadträten mit Blick auf die schwierige Haushaltslage der Kommune schlichtweg zu viel.

Angesichts eines möglichen Abrisses meldete sich laut Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger auch das Landesamt für Denkmalpflege zu Wort: «Das Amt hat deutlich darum gebeten, die Villa im Rahmen des Ensembleschutzes zu erhalten.» So sei er schließlich froh gewesen, dass sich ein Unternehmen gemeldet habe, das das Gebäude als Wohnhaus erhalten wolle.

«Können damit leben»

«Da lediglich renoviert und nichts an- oder umgebaut gebaut werden sollte, war letztlich keine baurechtliche Genehmigung nötig», erklärt der OB auf Anfrage der MZ und betont: «Für das Stadtbild ist dies sicher eine gute Lösung.»

So sieht es mittlerweile auch Heimatpfleger Uli Braun: «Es war letztes Jahr noch nicht abzusehen, dass sich jemand findet, der die Villa so mustergültig herrichtet.» Ferner bleibt zur Freude des Heimatpflegers hinter der Villa «eines der letzten Biedermeier-Gartenhäuschen in Memmingen» erhalten.

Auch Wolfgang Courage und Dr. Hans-Martin Steiger können nach eigenen Worten «mit der Bestandssicherung leben». Schließlich passe die Villa gut ins Stadtbild, und der Graben bleibe dort so, wie er ist.

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