Glaubenstag
Günther Beckstein gibt in Kaufbeuren Antworten zur Frage Christsein als Politiker?

Dass Christen aller Konfessionen in Kaufbeuren ausgerechnet dann einen ökumenischen Glaubenstag begehen, wenn Papst Benedikt zu Gast in Deutschland weilt, ist eher Zufall. Trotzdem war der Besuch des Heiligen Vaters ein Thema bei der Veranstaltung, die von allen Pfarrgemeinden der Wertachstadt organisiert worden war. Denn der Ehrengast, Dr. Günther Beckstein (Vizepräses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland und ehemaliger und zugleich bislang einziger evangelischer Ministerpräsident Bayerns nach dem Zweiten Weltkrieg), zeigte sich etwas enttäuscht. Er hätte sich mehr Schritte des Papstes in Richtung Ökumene erhofft. Beckstein hatte Benedikt, den er aber zugleich als "unglaublich gescheiten Mann" schilderte, am Freitag in Erfurt getroffen.

Der Papst habe beispielsweise auch nicht den bestehenden Bann auf Luther aufgehoben. "Aber immerhin hat er ihn als wichtigen Kirchenvater bezeichnet." Und überhaupt sei es ein sehr wichtiges Signal gewesen, dass Benedikt ausdrücklich das Augustinum besuchte, jenes Kloster, in das einst Luther eingetreten war.

Doch Beckstein war vor allem nach Kaufbeuren gekommen, um in der evangelischen Dreifaltigkeitskirche darüber zu sprechen, wie sich Christsein und Politikersein miteinander verbinden lassen. In dem Gotteshaus musste sich der Franke, der von 1993 bis 2007 auch bayerischer Innenminister war, durchaus kritische Fragen gefallen lassen.

Der Grundtenor lautete etwa: Wie können Sie sich als Christ bezeichnen und gleichzeitig als verantwortlicher Minister Tausende von Asylbewerbern abschieben? Jeder könne Asyl beantragen, entgegnete Beckstein. Doch jeder Fall werde dann auch geprüft, ob wirklich Gefahr für Leib und Leben vorliegt. Was viele Kritiker – gerade aus den Pfarrgemeinden – nicht wüssten, sind die Fakten.

Bei genauerer Analyse stelle sich bei vielen Asylbewerbern heraus, dass sie eben nicht verfolgt werden, sondern aus vielerlei anderen Gründen in Deutschland leben wollten. Es sei 'auch das Amt des Christen, die Gesetze zu beachten'. Ohne diese gebe es Chaos. 'Ich bin lieber ein Hardliner für Recht und Ordnung als ein Weichei für Unrecht und Unordnung', betonte er augenzwinkernd.

Als Innenminister habe er einmal einen Schießbefehl gegeben, weil zwei Schwerverbrecher eine Frau bereits vergewaltigt und getötet und eine weitere schon in ihrer Gewalt hatten. 'Ja, ich habe mich schuldig gemacht', bekannte er. 'Aber wenn ich nichts getan hätte, wäre die andere Frau auch getötet worden – und ich hätte mich ebenfalls schuldig gemacht.'

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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