Gülle tötet Fische im Krebsbach

Irsee | fro | Zwischen Irsee und der Hammerschmiede mäandert der Krebsbach in einem weitgehend naturbelassenen Bett durch den Schindwald und den Riedgraben. Doch seit dem Wochenende trügt die Idylle: Das Bachbett hat teilweise einen braunen Überzug und Forellen schwimmen mit dem Bauch nach oben. Einem Irseer Landwirt liefen am Samstag rund 40 Kubikmeter Gülle aus, von denen ein Teil in den Krebsbach (auch Riedbach genannt) floß. 'Bis zu fünf Jahre wird der Bach benötigen, bis er sich wieder regeneriert', so Dr. Oliver Sommer, Fischerei-Fachberater beim Bezirk Schwaben.

Am Samstagvormittag habe der Landwirt feste und flüssige Stoffe in einem Gülle-Endlager gemischt. Dabei sei ein Schieber versehentlich nicht geschlossen worden, bestätigen die Kaufbeurer Polizeiinspektion und der Landwirt. Als Folge liefen laut Polizei bis zu 40 Kubikmeter Gülle aus, von denen ein Teil über ein abschüssiges Gelände und Drainagen den Krebsbach erreichte.

Dort leben Mühlkoppen, Schmerle sowie seltene Edel- und Steinkrebse, erzählt Herbert Zappe vom Fischereiverein Kaufbeuren. Der Bach werde außerdem naturnah bewirtschaftet: 'Kleine Bäche wie der Krebsbach sind die letzten Rückzugsgebiete. Dort hegt der Verein mit Unterstützung des Bezirks Laichforellen', erklärt Sommer. Mit einem Teil der Jungforellen versucht der Verein den Fischbestand in größere Flüsse wie der Wertach zu erhalten.

Doch die Gülle habe einen Großteil der Fische, Krebs und Nährtiere wie Insektenlarven getötet. 'Das ist dramatisch. Schon fünf Kubikmeter Gülle reichen, um den Sauerstoff gen Null zu reduzieren', erklärt Helmut Weis, Abteilungsleiter im Wasserwirtschaftsamt Kempten. Neben den Wildfischen ist zudem ein Züchter mit fünf Fischteichen betroffen: 'Da sind 100 tote Forellen gefunden worden, aber vier Teiche noch zugefroren. Das ganze Ausmaß ist noch offen', so Weis. Die Behörde untersucht nun Fisch-, Krebs und Wasserproben - 'obwohl die Sache klar ist', sagt Weis.

Doch schwerwiegender als der wirtschaftliche Schaden für die Betroffenen sei: 'Dabei wurde ein intaktes Ökosystem auf Jahre hinaus zerstört', so Sommer. Die Regenerationszeit hänge vor allem von dem überlebenden Fisch- und Krebsbestand sowie dem Besiedlungsfaktor aus dem Oberlauf zusammen, so der Fachberater.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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