Benningen
«Grundwasser im Ort maßvoll absenken»

Mit der Optimierung und Steuerung des Grundwasserhaushalts will der Benninger Gemeinderat zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. «Wir wollen das Grundwasser im Ort maßvoll absenken sowie trockene Keller schaffen und gleichzeitig dem Benninger Ried und dem Riedbach das zum Erhalt benötigte Wasser zurückgeben», betonte Benningens Bürgermeister Meinrad Bernhard während der Projektvorstellung im gut gefüllten Pavillon der örtlichen Festhalle.

Der Geologe Hubert Anwander gab zu bedenken, dass das Benninger Naturschutzgebiet, das mit 22 Hektar Fläche das größte Kalkquellmoor in Bayern ist, an Wassermangel leidet. «Das Grundwasser wird bereits abgefangen, bevor es ins Ried gelangt», berichtete Anwander. Dabei nannte er als Hauptgründe den Abfluss von Grundwasser durch undichte Kanalisations-Schächte, die stetige Entwässerung von landwirtschaftlichen Flächen und die Entnahme von Trinkwasser. Der Lebensraum für die wertvolle Pflanzengesellschaft, zu der unter anderem die nur an diesem Standort wachsende Riednelke und seltenen Schnecken- oder Libellenarten gehören, sei dadurch bedroht. Von 1958 bis 1997 sei der Bestand der Riednelke bereits um 80 Prozent zurückgegangen. Durch geeignete Maßnahmen - wie etwa die Errichtung von Stauwehren - habe sich die Population im Moment zumindest stabilisiert.

Markus König vom Planungsbüro Fassnacht ging näher auf die Problematik des undichten Kanalnetzes ein. Von dem 23 Kilometer langen Benninger Hauptkanalnetz würden sechs Kilometer ständig im Grundwasser liegen, zwölf Kilometer zeitweise, nur fünf Kilometer des Kanalnetzes verlaufen oberhalb des Grundwasserspiegels. König ging davon aus, dass durch undichte Abwasserkanäle 4000 Kubikmeter Grundwasser pro Tag an die Kläranlage weiterfließen und somit dem Ried entzogen werden. Pro Jahr seien dies etwa 1,5 Millionen Kubikmeter.

Im Gegensatz dazu fallen in Benningen lediglich rund 125 000 Kubikmeter Schmutzwasser im Jahr an. Die Benninger Bürger müssten somit künftig rund 1,3 Millionen Euro für das eindringende Grundwasser an die Kläranlage entrichten. Pro Haushalt schätzte Markus König die Kostenbelastung auf rund 2600 Euro im Jahr.

«Dies gilt es unter allen Umständen zu verhindern», erläuterte der Planer und machte deutlich, dass nun zunächst ein Grundwassermodell erstellt wird, das Daten über das Wasseraufkommen liefern soll. Sobald die Planung fertig ist, müssen auf einer Länge von 2,5 Kilometern neue Grundwasserkanäle erstellt werden. Damit einher gehe die Sanierung des Kanalnetzes. Da das Projekt durch das Konjunkturpaket II finanziert wird (siehe Infokasten), müssen die Bauarbeiten bis Ende 2011 abgerechnet sein. «Das ist eine gewaltige Herausforderung», fügte Bürgermeister Bernhard an und bat um das Verständnis der Bürgerschaft, die unter den vielen Baustellen im Ort Beeinträchtigungen erleiden wird.

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