Marktoberdorf
«Grüne Kontinuität macht sich bezahlt»

Geht es nach den Umfragen, liegen die Grünen in der Gunst der Deutschen derzeit ziemlich weit vorn: Manche Demoskopen sehen die Ökopartei derzeit bei 19, andere gar bei 24 Prozent der Wählerstimmen. Als «zweischneidiges Schwert» bezeichnet Axel Maaß, Ortssprecher der Marktoberdorfer Grünen, die guten Umfragewerte seiner Partei auf Bundesebene. Diese lösten bei ihm Freude über die Wertschätzung der Ökopartei, aber keine Euphorie aus: «Letztlich zählen nur Wahlen.»

Die Umfragewerte hätten auch mit der Schwäche und Unberechenbarkeit der großen Parteien zu tun, denkt Maaß. Breite Bevölkerungsschichten akzeptierten es nicht mehr, wenn diese - «wie bei Stuttgart 21 oder beim Atomausstieg» - Politik über ihre Köpfe hinweg machten. Die Kontinuität grüner Politik stelle dazu einen Gegensatz dar, der sich bezahlt mache. In seinen Augen gibt es vom Grünen- Gründungsprogramm in den 80er Jahren bis heute eine politische Linie, die die sie konsequent verfolgten. Hinzu komme ein Wandel im Zeitgeist: Die Grünen seien gewissermaßen salonfähig geworden, sagen Maaß und andere Marktoberdorfer Spitzenpolitiker.

Maaß (Dritter Bürgermeister in der Kreisstadt) macht das auch an der Stadtpolitik fest: «Als ich in Marktoberdorf 1990 erstmals angetreten bin, galten Energiefragen als jenseits von gut und böse.» Das sei heute anders, sagt er mit Blick auf die Fernwärmeversorgung der Stadt oder das Passivhaus Kinderkrippe.

Was den Ausbau der Wege für Fußgänger und Fahrradfahrer und eine vernünftige Innenstadtpolitik angehe, die die Aufenthaltsqualität ebenso berücksichtige wie eine ausreichende Parkierung, läge aber noch vieles im Argen. Oft seien es die Grünen, die hier die Finger in die Wunden legten - zumal sie keine Hinterzimmerpolitik betrieben und keine Privatinteressen verfolgten.

Eine ähnliche Wahrnehmung hat seine grüne Stadtratskollegin Clara Knestel: «Wenn wir vor zehn oder 15 Jahren Themen wie die zentrale Energieversorgung und Heizung öffentlicher Gebäude ansprachen, wurden wir nicht ernst genommen.» Heutzutage nehme sich auch die CSU solcher Themen an.

CSU: «Grüne treffen immer wieder den Nerv der Leute»

Durchaus mit Anerkennung beurteilt diese den Höhenflug der Grünen. «Sie treffen immer wieder den Nerv der Leute. Zudem sehen sie in einigen Punkten mittlerweile realistisch, was machbar ist und was nicht», sagt CSU-Ortsvorsitzender Eduard Gapp. Er persönlich könne die Menschen verstehen, die beim Atomausstieg mit der grünen Haltung sympathisieren.

In seiner Analyse geht Gapp von einer gegenseitigen Annäherung der Parteien aus. «Auch die Union und die SPD haben Dinge im Programm, für die die Grünen vor 20 Jahren alleine standen.» Dennoch gebe es nach wie vor große Unterschiede, etwa in der Bildungspolitik. «Hier wollen die Grünen etwas ganz anderes als wir.» Stadtrat Gapp hebt die gute Zusammenarbeit mit den örtlichen Grünen hervor: «Auch wenn wir als CSU manchmal mit ihnen streiten, haben wir die Grünen bei gemeinsamen Aktionen stets als verlässlichen Partner wahrgenommen.»

Zweifel an den Umfragen äußert SPD-Vorsitzender Christian Wagner. Die Grünen sollten diese nicht überbewerten.

«Aber da sie cleverer als die FDP sind, tun sie das nicht: Die wissen schon, dass das mehr mit Unmut über die Regierung als mit eigenen Leistungen zu tun hat», so Wagner. Dass die Grünen mehr von den schlechten Werten von Union und FDP profitieren als die SPD, ist für ihn nicht überraschend: «Die haben vier Jahre zusätzlichen Oppositionsbonus.» Die Reinopposition, die die Grünen betrieben, zahle sich eben aus.

Als Beispiel dafür führt Wagner Stuttgart 21 an: «Als Regierungspartei müssten sie das Ganze mittragen, ob es ihnen passt oder nicht.» Angst um die SPD habe er jedenfalls nicht: «Wir lassen uns nicht so schnell das Wasser abgraben», meint Wagner lachend. (hkw)

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen