Ottobeuren / Unterthingau
Großer Chor aus kleiner Gemeinde

Dass auch in kleinen Gemeinden großartige Chöre beheimatet sein können, das demonstrierte der Kirchenchor aus Unterthingau beim Benefizkonzert in der Basilika mit einer beeindruckenden Leistung. Er begeht keine ausgetretenen Pfade, ist mit der Chorliteratur aller Epochen vertraut und wurde vom Diözesanamt für Kirchenmusik zu Recht als «Vorbildchor» bezeichnet, der alle Voraussetzungen für einen Konzertchor erfülle.

Chorleiter Willibald Reichart hatte ein Programm zusammengestellt, das größtenteils zeitgenössische Komponisten mit wunderschönen A-cappella-Stücken berücksichtigte. Schon die Kompositionen von Mozart (Ave Maria als Kanon), Reger (O Maria, sei gegrüßt) und Rachmaninov (Marienlob) - ein gebündeltes Lob der Gottesmutter - ließen für den Verlauf des Konzertes Großartiges erwarten.

Mit Lorenz Maierhofer, Waldemar Ahlen, Laslo Halmos und Klaus Heizmann kamen darin Zeitgenossen mit kurzen Chorsätzen zu Wort, teils durchkomponiert, teils als Strophenlied, die mit den chorischen Ausdrucksformen von heute das Gotteslob kündeten. In ihnen konnte man auch romantische Züge wahrnehmen. Der Chor wurde in Intonation, Artikulation und Dynamik allen Anforderungen bestens gerecht.

Wechsel zwischen lebendiger Bewegtheit und verhaltener Ruhe

Adalbert Meier streute an der Dreifaltigkeitsorgel zwischen die Gesangsbeiträge Stücke aus den «Londoner Skizzen» von Mozart, wechselnd zwischen lebendiger Bewegtheit und verhaltener Ruhe. Auf der Marienorgel kam ein Rondeau von Antonio Diana zu tänzerischer Entfaltung. Meier versteht es immer wieder, den Kompositionen durch adäquate Registrierung ein differenziertes Gewand zu geben.

«Die Himmel erzählen die Ehre Gottes», der Schlusschor aus Haydns Oratorium «Die Schöpfung», wurde zu einem der Höhepunkte der Konzertstunde: Chorgesang und Orgelspiel dienten dem Werk mit einer imposanten Wiedergabe.

Das Kirchenlied «Lobe den Herren» war das Thema einer berauschenden Improvisation, mit der Meier, die Melodie umrankend, mit Registern malend, eine Fuge andeutend, einen fulminanten Schlussakkord setzte. Lang anhaltender Beifall eines erfreulich zahlreichen Publikums war der Lohn für eine unvergessliche Konzertstunde. (ep)

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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