Memmingen
Großer Bogen

Bei seiner dritten Auflage erlebte das «Memminger Folk Music Festival» seinen bisher größten Erfolg: Mit 800 zahlenden Besuchern, vielen Kindern ohne Eintritt und manchem späten Gast dürften knapp 1000 Menschen den Weg zur Remise im Stadtpark «Neue Welt »gefunden haben. Über 45 Musiker in zwölf Formationen loteten vom Nachmittag bis gegen Mitternacht die gesamte Bandbreite der Folkmusik aus.

Heiß begehrt sind die Schattenplätze zum Auftakt um 15 Uhr, den - passend zu den hochsommerlichen Temperaturen - eine Trommelgruppe mit leidenschaftlicher, afrikanisch-lateinamerikanischer Perkussion bestreitet.

Rick Stephens - der Australier, der die hiesige Kulturszene seit Jahren nicht nur mit seinem Folk-Sessions im PiK bereichert - greift den Faden mit Songs aus seinem Heimatland auf. Unter freiem Himmel spiegeln seine Lieder ein noch authentischeres Australien, als im Kleinkunstgewölbe des Parterretheaters. Zusammen mit Hans Keller und dem Städtischen Kulturamt hat er das Festival wieder auf die Beine gestellt.

Nach der traditionellen Verbindung von schwäbischen Landlern und australischer Volksmusik folgt ein erster Höhepunkt: Drei junge, alternativ-kreative Leute wollen mit Schlagzeug, Gitarre und Gesang «alles hinter sich schmeißen!», machen sich zynisch über Rolex-Uhr-Träger, Yacht- und Häuserbesitzer her und behaupten, sie seien selbst immun gegen alle Verführungen des Konsums. Bald darauf lässt Josef Bichlmair einen Urschrei los, einen Alpenruf aus der Mongolei. Von ihm erfährt das Publikum, dass Klezmer «Gefäß des Liedes» heißt - und als solches wollen sich die «Legato»-Interpreten auch verstanden wissen.

Es folgen ältere Herren mit ganz alten Schlagern - Folk beschreibt eben einen großen Bogen, den auch sieben A-cappella-Sängerinnen weiter spannen. Zwei gelockte Frauen («Vivid Curls») mit starken Stimmen und bezwingender Ausstrahlung singen am liebsten in ihrem Wiggensbacher Dialekt, ehe Besucher aus Australien (singende Zwillingsschwestern und ihr Begleiter) laut und schwungvoll in Englisch von ihrer Heimat erzählen.

Voll besetzte Bierbänke

Teils sanfte, teils wilde Musik begleitet das Publikum in die Dämmerung mit milder Luft und guter Stimmung, voll besetzten Bierbänken, verstreuten Wiesenlagerern und Kinderplätschern im Bach. Irgendwann ist der Weißwein aus, aber auch ein Roter schmeckt zur kleinen Pizza, wie vorher der Kuchen zum Kaffee.

Ein progressiver Folk-Rock reißt später nicht nur das junge Publikum von den harten Bänken, aber wenn das vertraute «No Worries, Mate!» durch die Fast-Vollmond-Nacht tönt, ist die Folk-Welt wieder in Ordnung.

Zum Abschluss mit allen Gruppen auf der Bühne vermischen sich Rhythmen und Strömungen ohnehin zu einem einzigen Gleichklang. Hunderte Besucher applaudieren dankbar für einen wunderbaren Tag und einen zauberhaften Abend, den ihnen ihre Stadt, die Initiatoren und das ehrenamtliche Team des PiK bereitet haben.

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