Marktoberdorf
Großen Bogen geschlagen

Auch Allgäuer Künstler, die sich anderswo ihre ersten Sporen verdient haben, zieht es immer wieder in die Heimat zurück. So auch der aus Günzach stammende Organist Roland Dopfer, der nach erfolgreichen Studien in Düsseldorf und Köln mittlerweile in Wuppertal aktiv ist. Zusammen mit drei Schülern des Marktoberdorfer Gymnasiums gestaltete er in der St. Magnus-Kirche ein Konzert zur Passionszeit. Geboten wurden zumeist barocke Kompositionen, aber im Zentrum stand ein Komponist aus dem 20. Jahrhundert.

Geschickte Registrierung

Die «Ciacona f-Moll» von Johann Pachelbel (1653-1706) erklang in abwechslungsreicher Agogik, ohne stur durchgehaltenes Metrum. Durch geschickte Registrierung traten nach und nach immer mehr hellere Klangfarben in den Vordergrund. Nicolas Beinborn sang mit schlankem Tenor zunächst das Passionslied «Erforsche mich» von Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788) nach einem Text von Christian Fürchtegott Gellert. Nach anfänglichem dynamischem Suchen hatte man bald eine gute Klangbalance zwischen Gesang und Orgel gefunden, was dann auch der Textverständlichkeit zugute kam.

Die doch recht kühle Raumtemperatur in der Kirche verursacht bei Streichern generell Probleme mit der Stimmung ihrer Instrumente. Die beiden Geiger Cedric Kirst und Damaris Humburg waren jedoch intonatorisch zumeist auf einer Höhe mit der Orgel. Auftauchende Probleme bekamen sie schnell in den Griff und nutzten im Grave-Teil des G-Dur-Concerto von Telemann noch jede sich bietende Möglichkeit zu expressivem Spiel.

Zwei Stücke aus dem dritten Teil der Klavierübung von Johann Sebastian Bach rundeten das barocke Repertoire ab. Dopfer machte durch sein agogisch vielseitiges und mit sinnvollen dynamischen Steigerungen versehenes Spiel von vornherein klar, dass man sich hier keine «Übung» im Sinne einer Etüde vorstellen darf.

«Die verklärten Leiber»

Stilistisch aus dem Rahmen fielen drei Stücke aus dem Orgelzyklus «Les corps glorieux - Die verklärten Leiber» von Olivier Messiaen (1908-1992), einem der wenigen bekennenden Katholiken unter den ernsten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Dank einer ausführlichen Werkeinführung haben wohl auch ungeübte Hörer leicht der Musik folgen können. Im zweiten Stück kam der Hobby-Vogelkundler Messiaen zum Vorschein. Auskomponierte Vogelstimmen (Amsel, Rotkehlchen, Singdrossel, Nachtigall) hatten einen hohen Wiedererkennungswert.

Fast den Charakter einer Zugabe hatte am Ende des Konzertes die berühmte «Toccata» aus der «Gotischen Suite» von Léon Boellman. Das spätromantisch-virtuose Stück lebt vom Kontrast zwischen perlenden Sechzehntel-Figuren im Diskant und einer markanten Pedal-Figur.

Man konnte wunderbar in den erzeugten Klängen «baden», wobei der Hörgenuss bei diesem Werk proportional mit der Größe der Orgel wachsen dürfte, auf der es gespielt wird. Freundlicher Schlussapplaus.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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