Standpunkt
Große Koalition

Die klare Favoritin hat den Sieg errungen, die Wahl im Stadtrat verlief ohne Überraschung. Margareta Böckh von der CSU ist die neue Zweite Bürgermeisterin in Memmingen, bereits im ersten Wahlgang setzte sie sich gegen Professor Dieter Buchberger (ÖDP) und Wolfgang Courage (Christlicher Rathausblock) durch. Es war offensichtlich eine Große Koalition, die der Volksschul-Rektorin den Weg geebnet hat. Böckh konnte auf die Unterstützung der Sozialdemokraten zählen.

Nicht immer haben die beiden großen Parteien bei Bürgermeister-Wahlen gemeinsame Sache gemacht. Im Jahr 1984 fiel der CSU-Bewerber Hans Glück durch, damals wurde der CRB-Kandidat Franz Kolb mit Hilfe der SPD gewählt. Wie man von altgedienten Kommunalpolitikern hört, hat dies für längere Zeit das Verhältnis zwischen Schwarzen und Roten im Stadtrat massiv beeinträchtigt.

An einer solchen Konfrontation war der SPD diesmal nicht gelegen. Die Haltung der Sozialdemokraten hat aber zweifellos auch mit Böckhs Gegenkandidaten Dieter Buchberger zu tun. Der ÖDP-Stadtrat und der Oberbürgermeister von der SPD liegen politisch weit auseinander. Die Sozialdemokraten verspürten keine Motivation, einen ausgewiesenen Kritiker ihres Parteifreundes Holzinger zu unterstützen.

Im Vorfeld der Wahl hatte die ÖDP das Bürgermeister-Amt für Buchberger reklamiert, da ihr Fraktionsvorsitzender bei der Oberbürgermeister-Wahl das zweitbeste Ergebnis erzielt hatte. In der Konsequenz hätte das bedeutet, dass die CSU als die mit Abstand stärkste Stadtratsfraktion weder den Zweiten noch den Dritten Bürgermeister stellt.

Man darf in Zweifel ziehen, dass eine solche Konstellation dem Willen der Memminger Wähler entsprochen hätte. Zumal die Christsozialen mit Margareta Böckh eine respektable Bewerberin präsentierten.

Kurz vor Toresschluss hatte sich auch der Christliche Rathausblock dazu entschlossen, einen Kandidaten ins Rennen zu schicken. Wolfgang Courage blieb fast keine Zeit mehr, Eigenwerbung bei den Stadtratskollegen zu betreiben. Doch man hatte auch nicht den Eindruck, dass er sich echte Siegchancen ausrechnete.

Dem CRB dürfte es vor allem darum gegangen sein, Flagge zu zeigen und sich ins Gespräch zu bringen. Bei der Oberbürgermeister-Wahl hatte der Christliche Rathausblock keinen Kandidaten nominiert.

Mit Margareta Böckh zieht nun eine CSU-Stadträtin in das Bürgermeister-Büro ein, die diesen Posten unter ganz anderen Voraussetzungen als ihre Vorgängerin Claudia Knoll antritt. Für Knoll sollte es das Sprungbrett zum Oberbürgermeister-Amt sein, für Böckh ist es der Höhepunkt einer langen kommunalpolitischen Karriere.

Standpunkt Von Helmut Kustermann kustermann@azv.de oder Fax (08331) 109-188

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