Allgäu
Große Gefühle

«Es kommen auf Sie zwei Stürme zu - am Schluss werden Sie verstehen, warum wir das Programm umgestellt haben», so begrüßte Alexander Shelley, Dirigent der Nürnberger Sinfoniker, das Publikum im ausverkauften Stadttheater zum letzten Meisterkonzert der Saison. Denn kein Flügel war zunächst auf der Orchesterbühne zu sehen, obwohl Sergej Rachmaninoffs Klavierkonzert Nr. 3 d-Moll auf dem Programm oben gestanden hatte.

Zuerst also das andere schwergewichtige Werk des Abends, die «Pastorale»-Sinfonie (Nr. 6) von Ludwig van Beethoven. Anscheinend hat es den Meister aller musikalischen Sparten gereizt, der damals großen Mode der Tonmalerei nach Naturbildern ein Zugeständnis zu machen und allen vier Sätzen programmatische, außermusikalische Überschriften voranzustellen - aber in seinem Skizzenbuch sofort wieder einzuschränken: «Auch ohne Beschreibung wird man das Ganze, welches mehr Empfindung als Tongemälde ist, erkennen.»

Die Nürnberger mit ihrem jungen Londoner Dirigenten realisierten in ihrem feinsinnigen Spiel beides: starke musikalische Empfindung und einzelne Bilder natur-imitierender Tonmalerei. In der «Szene am Bach» schlägt ganz deutlich die Flöten-Nachtigall, ruft klar die Oboen-Wachtel, und die Klarinette macht «Kuckuck!».

Auch das Szenario «Gewitter, Sturm» ist mit Bass- und Celli-Grollen, Paukendonner und peitschenden Läufen auf Geigensaiten und aus allen Blasrohren gut erkennbar.

Tatsächlich kam nach der Pause der angedrohte «zweite Sturm» mit Rachmaninoffs Klavierkonzert und dem fulminanten Spiel der russischen Solistin Olga Kern auf die gebannten Besucher zu: Nach rührend-sanglichen Unisono-Passagen steigern sich Instrumentenfarben und Stimmung ins Bedrohlich-Komplexe. Bald bricht der Sturm los, Klavier und Orchester wogen im Echo-Takt, das Wüten der Elemente bricht aus in Forte-Fortissimo-Akkordkaskaden im Diskant des Klaviers. Kern duckt sich, lässt das Gewitter abflauen, lyrisch ausklingen.

Richtig: Dieser Sturm verträgt keine Pastorale als Nachspiel. Nur eine Zugabe: ein neckisches Tanzlied, den «Hopak» von Mussorgsky, bearbeitet von Rachmaninoff.

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