Kulturwerkstatt
Grimmrsquosches Märchen in einer peppigen Ein-Frau-Inszenierung in Kaufbeuren

Das haben uns die Gebrüder Grimm verschwiegen: Nicht der Bote, sondern Zofe Stanzi ist die wichtigste Person in 'Rumpelstilzchen'. Deshalb kann sie das Märchen von den streitsüchtigen Goldschuhen auch so spannend vorspielen und erzählen, dass die großen wie die kleinen Zuschauer im Theater Schauburg eine Stunde lang völlig gefesselt sind. Danach gibt es großen Applaus für eine ebenso spannende wie witzige Inszenierung der Kulturwerkstatt, für ein genial-kreatives Bühnenbild samt Requisiten und für eine herausragende schauspielerische Leistung.

Mit atemberaubender Geschwindigkeit schlüpft Alleindarstellerin Martina Quante von einer Rolle in die nächste, führt Dialoge und Wortgefechte mit sich selbst.

Zwischen den Schuhen etwa, die beide beim Ball getragen werden wollen, oder zwischen dem griesgrämigen König und dem schwer schnaufenden Müller mit der maroden Mühle, der aus lauter Verlegenheit die Mär von der Gold spinnenden Tochter erfindet – und es sogleich bereut.

Mit herrlicher Mimik, exakt passender Stimme und Modulation ist Martina Quante einmal das hämisch lachende, unheimliche Männchen, bei dem die Finger der kleinen Zuschauer ganz von selbst in den Mund wandern.

Dann wieder weint sie als Müller Marie mit den nach außen ondulierten Locken so erbärmlich, dass die Kleinen lachen müssen und die atemberaubende Spannung sich auflöst.

'Bonanza'-Melodie und Karl Theodor

Doch nicht nur die Kinder kommen auf ihre Kosten. Auch die Erwachsenen freuen sich diebisch, wenn die königliche Kutsche zur Titelmelodie von 'Bonanza' über die Bühne trabt, bei den Namensvorschlägen für das Königskind der 'Karl Theodor' mit auftaucht oder sich der Schwiegerkönig aus dem Dekolleté erhebt.

Sie genießen es genauso wie die Kleinen, wenn Quante ebenso perfekt wie mühelos von der inzwischen sehr resoluten 'Maria Goldini von Güldenberg' zum brabbelnden, schmatzenden Königskind, vom herrlich dämlichen Knappen Kurt zum Diener Dieter springt – und schließlich als Constanze unter großer Anteilnahme der Kinder im Wald hinter Wurzelstöcke kriecht, um das Männlein zu finden.

Spieldose als Ballsaal, Hutschachtel als Strohkammer

Als Kulisse genügen der Schauspielerin ein Papp-Schloss mit Augen und die ebenso ausgeklügelte wie kleine Bühne mit den witzigen Holzpuppen, die Regisseur Thomas Garmatsch gestaltet hat. Die Strohkammer hat dabei in einer Hutschachtel Platz, der Ballsaal in einer Spieldose. Und das von Lena Geissler gestaltete Kleid der Stanzi ist – aber das wird nicht verraten. Auch nicht, welcher Schuh das Rennen um den Ball für sich entscheidet.

Weitere Aufführungen folgen am Samstag, 23., und Sonntag, 24. Juni, jeweils um 17 Uhr im Theater Schauburg. Karten gibt es im Vorverkauf bei Lotto-Toto Engels in Kaufbeuren, Telefon 08341/2313, sowie an der Abendkasse.

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