Lindenberg
Grimassen schneidende Wortakrobaten

Dass Sprache, Reim, Lyrik und Grammatik in unserer Gesellschaft doch noch über einen großen Stellenwert verfügen, bewies ein weiteres Mal der Poetry-Slam des Lindenberger Kleinkunstvereins im Gasthaus «Hirsch». Während zeitgleich im benachbarten Jugendzentrum die Rapper und Hip-Hopper ihre Wortkreationen zum Besten gaben, liefen in Lindenberg die Wortakrobaten des Poetry-Slams zu Hochform auf. Im rappelvollen «Hirsch» hatte sich zudem noch die Augsburger Band «Nichts» eingefunden und füllte die Wortlücken musikalisch. Dass der amtierende deutsche Meister Sebastian23 kurzfristig abgesagt hatte, war zwar ärgerlich, tat dem Abend aber keinen großartigen Abbruch. Schließlich war der Marburger Lars Ruppel gekommen und hatte mehrere Wortgrößen im Gepäck: So den Münchner Heiner Lange, den amtierenden Berliner Stadtmeister «Gauner», Lasse Samström aus Augsburg, Master Tom, Sexy Hilla Man aus Erding sowie «Jemand» und «Winni» aus der «Hirschumgebung». Im Laufe des Abends fanden sich noch weitere ein: Julius Fischer aus Leipzig, der am Ende Sieger wurde, sowie Felix Römer (Berlin) und Alexander Burkhardt aus Lindenberg (Allgäu), der durch den letzten Slam bei den Weichter Kulturtagen bekannt wurde.

Umso größer war die Bandbreite der Texte, die schlichtweg zum Lachen waren, zum Nachdenken anregten oder vom Publikum einiges an Humor abverlangten. Individuell bewies jeder Künstler, dass «Schminke zwar ein Gesicht ändert», nicht jedoch den Charakter der Person und dass «Speisequark nicht ausreicht, Weise stark zu machen». Mit der Frage, was das eine oder andere heißen oder gar bedeuten soll, setzten sich mehrere Akteure auseinander und suchten die Antwort darin, Grimassen zu schneiden, Geräusche von sich zu geben oder Buchstaben auszutauschen.

Ob jemand, der mit dem Zug von Kaufbeuren nach Augsburg fährt zugleich E-Mail-Kontakt mit seiner verhassten Mitbewohnerin haben kann, konnte nicht beantwortet werden. Ebenfalls blieb offen, ob sich die Mitglieder des Plenarsaales im Bundestag einig sind, «was sie eigentlich hier wollen».

Dass sich Politik problemlos mit Kunst kombinieren lässt, zeigte eine Biografie des Lebens ebenso wie ein wartender Cowboy vor dem Waschsalon des Wilden Westens, der den «Nachruf» einer verflossenen Liebe zum «Aufruf einer neuen Freundschaft» sieht und eigentlich gar nicht weiß, was das heißen soll.

Moderator Bo Wimmer und Kleinkunstvorsitzender Thomas Klaus wussten dagegen schon, was es heißt, einem interessierten und gut gelaunten Publikum einen unvergesslichen Kleinkunstabend zu bescheren. Dietmar Ledel

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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