Interview
Gretchen Driskell, Bürgermeisterin der Lindenberger Partnerstadt Saline, erinnert an den 11. September

Die Terror-Anschläge des 11. September 2001 wurden in den USA als Angriff auf das eigene Land empfunden und führten zu den Kriegen in Afghanistan und im Irak. Wie haben Amerikaner jenen Tag erlebt, wie sieht ihr Alltag heute aus und wie begehen sie den Jahrestag am Sonntag? Unser Mitarbeiter Olaf Winkler hat dazu Gretchen Driskell befragt. Die Bürgermeisterin von Lindenbergs Partnerstadt Saline, ist in der Nähe von New York aufgewachsen und hat ganz persönliche Erinnerungen an jenen Dienstagmorgen vor zehn Jahren.

Wie haben Sie persönlich den 11. September 2001 erlebt?

Gretchen Driskell: Wir hatten gerade eine Sitzung im Rathaus von Saline und sahen im Fernsehen live die Bilder, wie das zweite Flugzeug in das World Trade Center flog. Ich bin in der Nähe von New York aufgewachsen, an der Endstation einer S-Bahn-Linie nach Manhattan. Daher war es für mich sehr schwer, diese Bilder zu sehen. Ich selbst habe am 11. September keinen Verwandten oder Freund verloren.

Wie hat sich das Leben in Saline in den ersten Wochen und Monaten nach den Anschlägen verändert?

Driskell: Wir lebten in << höchster Alarmstufe >>. Ich erinnere mich, dass eine Firma hier Post bekam, bei der vermutet wurde, sie sei gefährlich. Die gefährlichen Stoffe mussten entsorgt und die Mitarbeiter vorsorglich auf einem Parkplatz abgesprüht werden.

Wo sehen Sie heute noch Veränderungen gegenüber dem Alltag vor dem 11. September 2001 in Ihrer Stadt?

Driskell: Die Gefahr ist heute verstärkt im Bewusstsein der Menschen. Im öffentlichen Bereich, auch an Schulen, gibt es mehr Überwachungskameras als früher. Unser Wasserversorgungssystem haben wir jetzt mit Filtern ausgestattet.

Gibt es Details im Alltag, in denen Sie persönlich Veränderungen spüren?

Driskell: Das Reisen mit dem Flugzeug oder über die Grenze nach Kanada ist komplizierter geworden. Ansonsten sehe ich keine Veränderungen.

Wie ist das Miteinander von Menschen aus verschiedenen Staaten, die heute in Saline zusammenleben?

Driskell: In unserer Stadt werden 40 Sprachen gesprochen. Studenten und die Belegschaft in den Firmen sind international. Es gibt starke Verbindungen zwischen den verschiedenen Kulturen.

Gibt es private oder öffentliche Initiativen in Saline, die das Zusammenleben fördern sollen?

Driskell: In den Schulen gibt es solche Programme. Darüber hinaus gibt es keine formellen öffentlichen Initiativen.

Gab es bereits Soldaten aus Saline, die im Anti-Terror-Kampf gefallen sind?

Driskell: Nein, aber es gab einige Verletzte. Es gibt verschiedene Spendenaktionen, um den Familien mit den Arztrechnungen und anderen Kosten zu helfen.

Inwieweit spielen die Kriege im Irak und in Afghanistan im Alltag eine Rolle? Wie oft wird darüber gesprochen oder diskutiert?

Driskell: Es gibt immer mal wieder Diskussionen darüber. Aber seit der Truppenabzug begonnen hat, ist das weniger der Fall. Viele Bürger waren gegen den Krieg im Irak.

Wie wird der Jahrestag zum 11. September am Sonntag in Saline begangen?

Driskell: Um 13 Uhr wird landesweit der Opfer gedacht. Es wird eine Schweigeminute geben und das öffentliche Leben wird ruhen. In Saline treffen wir uns für einen Moment der Stille vor dem Rathaus und gehen dann hinüber zum Feuerwehrgebäude.

Worin sehen Sie persönlich die größten Veränderungen, die der 11. September gebracht hat?

Driskell: Das Reisen ist mit mehr Aufwand rund um die Sicherheit verbunden. Die meisten Veränderungen sind für die Öffentlichkeit erkennbar. Auf allen Ebenen werden heute mehr Informationen gesammelt, die der öffentlichen Sicherheit dienen sollen. Auch unsere Mitarbeiter im Bereich der öffentlichen Sicherheit werden heute mehr geschult.

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