Marktoberdorf
Grauer Stein und roter Faden

Ein roter Faden, grauer Sandstein und verunschärfte Fotografien. Diesen Themen widmete sich der Schauspieler Joachim Raaf in seiner Einführung zur 31. Ostallgäuer Kunstausstellung. Im Künstlerhaus führte er die Besucher gestern Nachmittag auf eine Kunstschnitzeljagd. An deren Ende «wahrlich keine kleinen Schnitzelchen» für drei Künstlerinnen standen: Silvia Jung-Wiesenmayer erhielt den Preis der Stadt Marktoberdorf (2500 Euro), Dorothea Dudek den Paul-Breitkopf-Preis (2000 Euro) und Lis Schubert den Franz-Schmid-Sonderpreis (2000 Euro).

In einer launigen Rede führte Raaf als studierter Forstwirt, der viel über die Bretter, die die Welt bedeuten, erzählen könnte, in die Ausstellung ein. Er gab einen Abriss über die zahllosen Küstlerfiguren, die Goethe und Tieck, Dürrenmatt und Bernhard auf die Bühne gestellt haben. Er rezitierte aus dem Theaterstück «Kunst» von Yasemina Reza einen Dialog über ein weißes Bild und fragte, was der Kunst ihren Wert gebe, welchen Sinn die Kunst habe. Bei allem Tiefsinnigen wollte er aber das Publikum vor allem zum Vergnügen einladen. Denn: «Kunst darf Spaß machen!» In den Werken der Ostallgäuer Kunstausstellung könne er viel Humorvolles entdecken: einen kettengesägten Klimawandel, einen Wolpertinger und plattgefahrene Kleintiere

Raaf näherte sich auch einer Würdigung der Preisträger an. Ließ bei der Wollskulptur «Wilde Dinger» von Lis Schubert seinen Assoziationen zum Roten Faden freien Lauf, erinnerte an Ariadne in der Antike und Rumpelstilzchen im Märchen, an Schlingen und Netze, Leichtigkeit und Lebensfreude, Lockendes und Verführerisches.

Bezogen auf Dorothea Dudeks Fotoarbeiten «irgendwie dazwischen» spintisierte Raaf über Fotografie und Schärfe. Darüber, wie gerade Unschärfe zum Hinsehen einlade und aus der Eindeutigkeit in die Zwei- und Vieldeutigkeit führe.

Raaf zitierte aus der Norm für Sandkörner und der Ausbildungsordnung für Steinmetze mit vielen Paragrafen, aber wenig Kunst. Damit ermöglichte er einen Zugang zu Draußen I - III von Silvia Jung-Wiesenmayer. Die in ihren Reliefen Zeltplätze zeigt und den Sandstein mit filigranen Zeichnungen kombiniert: Leichtigkeit und Schwere.

«Kunst muss unter die Leute»

Bürgermeister Werner Himmer lobte die Ausstellung als Begegnung und Meinungsaustausch von Kunstschaffenden und Betrachtern. Erst in der Wahrnehmung erwache das Kunstwerk zum Leben: «Kunst muss unter die Leute.» Walter Schilhansl überreichte den Familie-Paul-Breitkopf-Preis, den Erna Fendt (geborene Breitkopf, 1927-2007) gestiftet hatte. Dass die Stifterin aus dem Sudetenland stamme und mit Dudek eine in Lodz (Polen) geborene Künstlerin ausgezeichnet werde, sei sehr passend.

Seinen Sonderpreis übergab Altbürgermeister Franz Schmid an Lis Schubert. Schmid freute sich über die Vielseitigkeit der Schau und stellte gleichzeitig einen Generationenwandel fest. Die Ausstellung sei gekennzeichnet durch sehr gute, sehr interessante Arbeiten.

Souverän gestaltete auch heuer das Bläserensemble der städtischen Musikschule unter Leitung von Jürgen Lehmann die Preisverleihung.

Allgäu Kultur

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