Bergung
Granate im Kleinen Alpsee ohne Sprengstoff

Die Entwarnung kam nach einer Minute: Kaum war Mike Niedermaier vom Sprengkommando München gestern um 11.15 Uhr in den Kleinen Alpsee getaucht, um die dort gefundene Werfer-Wurfgranate aus dem Zweiten Weltkrieg zu untersuchen, tauchte er auch schon wieder auf und signalisierte, dass von dem Fund keinerlei Gefahr ausgeht. Ein Blick genügte dem Experten, um zu erkennen: Hier fehlt der Zünder.

Kaum aus dem Wasser geholt, ergänzte Teamleiter Martin Tietjen: «Sie ist leer». Der Granate mit einem Durchmesser von acht Zentimetern fehlte auch der Sprengstoff. Damit war klar: Von der Granate ging keine Gefahr aus. Gegen 10.30 Uhr war das dreiköpfige Team des Sprengkommandos im Freibad angekommen und war zu diesem Zeitpunkt durchaus auch auf einen gefährlicheren Fund eingerichtet. Ein Abtransport nach München mit anschließender Entschärfung zählte ebenso zu den von Martin Tietjen genannten Szenarien wie eine Entschärfung vor Ort oder eine gezielte Sprengung. Sie hätte unter Wasser stattgefunden. Auch in diesem Fall wären die an den See angrenzenden Gebäude wohl nicht geräumt worden, da die gefürchtete Splitterwirkung der Granate unter Wasser nicht auftritt.

Oberhalb hatten sich die Mitarbeiter des Freibades, aber auch einige Interessierte sowie die Presse-Vertreter hinter einer Wand in Sicherheit zu bringen, bevor Mike Niedermaier abtauchte. Über Wasser hätte die Granate ihre Sprengwirkung in einem Umkreis von 60 bis 100 Metern entfalten können - so sie denn mit Sprengstoff gefüllt gewesen wäre.

Entdeckt hatten die Granate Taucher des Allgäu Tauchclubs Immenstadt, als sie vor wenigen Tagen den Bereich rund um den Sprungturm von Unrat reinigen wollten. Normalerweise kommen bei dieser Aktion, die jährlich vor Beginn der Badesaison stattfindet, Flaschen oder Sonnenbrillen zum Vorschein.

So hielten die Taucher die Granate zunächst auch für eine Flasche. Als sie erkannten, dass es sich wohl um Munition handelt, wurde die Granate im See belassen und der Liegeort markiert. «Nicht anfassen und nicht bewegen», lautet der Tipp der Sprengstoff-Experten. Für die Immenstädter Polizei war die Bergung der Granate unspektakulär. Nur Oberkommissar Fritz Daum war vor Ort. Da das Bad noch nicht geöffnet ist, war keine größere Absperrung notwendig. In größeren Zeitabständen sind die Beamten mit ähnlichen Funden konfrontiert - und das sowohl im Kleinen als auch im Großen Alpsee.

«Speziell in Ufernähe ist das aber eine Ausnahme», so Daum. 66 Jahre nach Kriegsende gibt es solche Funde meist nur noch in Tiefen, in denen niemand mehr stehen kann. Insbesondere im Freibad-Bereich wurde Mike Niedermaier gestern bei einem zweiten Tauchgang nicht weiter fündig: «Vermutlich hat eine Strömung die Granate in diesen Bereich gespült».

Für das Münchner Sprengkommando war damit der Tag noch nicht zu Ende: Noch im Immenstädter Freibad erhielten die drei Experten einen Anruf. Am Nachmittag sollten sie südlich von München eine kontrollierte Sprengung einer Granate vornehmen.

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