Projekt
Graffitikünstler Loomit gestaltet Bauzaun für Kaufbeurer Geldinstitut

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Subkultur und Geldinstitute haben im Allgemeinen wenig Berührungspunkte. So war es wohl ein ungewohnter Annäherungsprozess, der sich da in den vergangenen Wochen in der Ausbildungswerkstatt eines Kaufbeurer Bauunternehmens entwickelte: Der international anerkannte Graffitikünstler Loomit besprühte dort die großen Holztafeln eines Zauns, mit dem die Kaufbeurer Sparkasse demnächst die Baustelle an ihrer Zentrale in der Innenstadt umgeben will.

Dass dieses Kunstprojekt ganz verschiedenartige Welten zusammenbringt, wurde auch beim 'Werkstattabend' deutlich, bei dem die Kaufbeurer Kulturszene dem Sprayer über die Schulter schauen durfte.Dunkle Limousinen parkten vor der spartanischen Betonhalle.

Statt Anzug und Krawatte dominierten locker fallende Hemden, bunte Hosen und Sandalen das Bild, und Franz Endhardt, Sparkassen-Vorstand und Vorsitzender der Kaufbeurer Künstler-Stiftung, lud die Anwesenden zu einer 'Fete' zwischen den schon weitgehend fertiggestellten Bauzaun-Elementen ein.

Süffisant hob der Banker beim Werdegang des Künstlers dessen erstes großes Werk, einen vollständig besprühten S-Bahn-Zug im Bahnhof Geltendorf, hervor. Die Aktion war illegal und hat Loomit, der bürgerlich Mathias Köhler heißt, viel Lehrgeld gekostet

. 'Früher wurde ich verfolgt, jetzt habe ich eine ganz Halle zur Verfügung, um zu arbeiten. Für den Zug hatten wir zwei Stunden Zeit, jetzt sind es zwei Wochen für dieses Projekt. So kann’s gehen.'

Der 43-jährige Sprayer mit Allgäuer Wurzeln sprach offen und selbst etwas verblüfft den Spagat zwischen Subkultur und hochoffizieller Auftragskunst an – den er freilich nicht zum ersten Mal erfolgreich vollführt.

Statt in der illegalen Subkultur arbeitet Loomit, der seine 'Ausbildung' in der New Yorker Graffitiszene bekam, schon seit Längerem im Auftrag von Behörden und Firmen – an seinem Wohnort München, aber auch in Südamerika oder jüngst in China.

Gerade dort, wo er für die Weltausstellung in Schanghai arbeitete, habe er wieder den Reiz des Verbotenen verspürt, der die Arbeit seiner Anfangsjahre geprägt hat.

Denn er und sein Team seien mit den von ihnen besprühten Wänden immer wieder an die Grenze dessen gegangen, was die chinesischen Behörden duldeten. 'Ich hatte immer einen Eimer weiße Farbe dabei, falls die Situation eskaliert wäre', berichtet er.

Davor musste sich Loomit bei seinem Kaufbeurer Auftrag sicher nicht fürchten – zumal er Wahrzeichen und Wappen der Wertachstadt zwar schwungvoll verfremdet, aber nicht karikiert oder allzu expressiv interpretiert hat.

Trotzdem sei auch die Gestaltung des Bauzauns, der die zentrale Kaiser-Max-Straße in der Altstadt auf Monate farbenfroh prägen wird, etwas Besonderes. 'Die Motive kenne ich aus meinen Kindheitstagen. Es war nicht schwer, sie jetzt zu sprühen.'

Dass der Festzug zum Tänzelfest, den er in pointierten Miniaturen ebenfalls auf die Holzplatten gesprayt hat, in zwei Wochen an seinem Werk vorbeiziehen wird, freue ihn.

Ebenso das große Interesse der Kaufbeurer Schulen, von denen etliche Klassen in seinem provisorischen Atelier zu Gast waren. 'Es ist schön, dass ich Kindern zeigen kann, wie man Wände vollmalt', meinte Loomit beim 'Werkstattabend' schelmisch.

Und während der Künstler zwischen Häppchen und italienischem Rotwein den Gästen enthusiastisch seine Skizzen für die China-Projekte zeigte oder kundig über die unterschiedlichen Sprühköpfe der Dosen dozierte, merkte man: Loomit kommt zwar im Kosmos des arrivierten Kunstbetriebes, sogar mit einer Bank als Auftraggeberin, gut zurecht.

Er lebt aber nach wie vor in der Welt der Sprayer.

Bauzaun In den nächsten Wochen wird der von Loomit gestaltete Bauzaun in der Kaiser-Max-Straße in der Kaufbeurer Altstadt aufgestellt. Teile des Kunstwerkes werden später für einen guten Zweck versteigert.

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