Lindenberg
Gräber werden zu Denkmälern

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Manfred Röhrl spricht von einem «Park der Geschichte». Der Lindenberger geht wieder häufiger und mit Freude über den Friedhof hinter der Aureliuskirche, der sich in 25 Jahren zu einem Park entwickelt hat: «Ein Park der Ruhe und Besinnung», meint er.

Die Stadtverwaltung hat alte Grabsteine wieder herrichten, Büsche stutzen und verwitterte Schriften und Medaillons wieder instand setzen lassen.

Wandtafeln herausgerissen

Seit 25 Jahren wurden nach und nach Gräber aufgelassen, nachdem der Stadtrat entschieden hatte, keine Beerdigungen mehr zuzulassen. «Leider sind viele Wandtafeln aus den Mauern einfach herausgerissen worden und unwiderbringlich verloren, wie etwa der Grabstein des Malers Max Bentele», bedauert Röhrl, der nicht nur Hutmuseumsbetreuer ist, sondern sich auch um historische und kulturelle Belange in «seiner» Stadt kümmert.

Doch diese Zeit des Verwilderns ist vorbei. «Die Stadt und der Bürgermeister achten sehr darauf, dass der Friedhofspark eine Augenweide für Spaziergänger wird, » beobachtet Röhrl. Und auch die Professoren und Architekten des Projektteams Innenstadt haben die Schönheit des Friedhofsparks erkannt.

Der 69-jährige Röhrl, bekannt auch als Aquarellmaler seiner Heimat - über seine umfassende Kapellenserie wird er immer noch angesprochen -, kann zu jedem Namen, den er liest, eine Geschichte erzählen: Da liegen Ehrenbürger, drei Minister (Brauns, Fehr, Geßler) Strohhutfabrikanten, Pferdehändler, Stadtbauräte, Bürgermeister, Offiziere und eine Peitschenfabrikantengattin. «Da gäbe es so viel zu erzählen, man müsste mal eine Broschüre herausgeben», sinniert Röhrl.

Inzwischen seien alle, deren Vorfahren noch unter dem Aureliusrasen ruhen, mit einem gewissen Stolz überzeugt, die Denkmäler zu belassen und zu pflegen. Der Gottesacker sei inzwischen zu einem «Geschichtsbuch für die Lindenberger» geworden, so Röhrl. Namen wie Huber, Baldauf, Milz oder Reich seien eng mit der Entwicklung der Stadt über Jahrhunderte verbunden.

Die 1912 im Jugendstil erbaute Aussegnungshalle beherbergt ein Glasbild, vom bedeutenden Julius Exter entworfen, dessen Werk auch in der Stadtpfarrkirche zu bestaunen ist. «Der Raum wäre einmal für christliche Konzerte geeignet», denkt Röhrl voraus.

Unter der kassettenartigen Gewölbedecke sind Sandsteintafeln untergebracht, darunter die sogenannte Maurersäule, benannt nach dem treuen Soldaten Xaver Maurer, dem man eine besonders schöne Widmung auf den Grabstein geschrieben hat.

Denkmal für Arbeiter

«Hier liegen Tausende von Arbeitern der Hutfabriken», schaut Röhrl über den Park: «Denen müsste man hier noch ein Denkmal setzen», ist sein Wunsch.

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