Graben, wo vielleicht die Zelle des Hl. Magnus stand

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Kempten | sf | Gebeine aus dem Mittelalter, Funde aus der Römerzeit oder gar Hinweise auf die Zelle des Heiligen Magnus: Auf spannender Spurensuche sind derzeit die Archäologen am St.-Mang-Platz. Drei Monate lang werden sie den gesamten Platz nach Zeugnissen aus der reichen Kemptener Geschichte untersuchen. Schon in der ersten Woche fanden sie sieben Skelette auf dem ehemaligen Friedhofsgelände.

Wie Kulturamtsleiter Dr. Gerhard Weber erläutert, handelt es sich dort um eine 'Rettungsgrabung'. Da der künftige umgestaltete Platz gegenüber dem heutigen Niveau vor allem nach Süden hin deutlich tiefer liegt, wird die abgetragene Erde nach historischen Schätzen untersucht. Dies werde sich überwiegend in einem halben Meter Tiefe abspielen. 'Stellenweise gehen wir aber auch 1,80 Meter in den Boden', so Grabungstechniker Ernst Sontheim. Drei Monate lang werden auf dem Platz permanent etwa zehn Leute beschäftigt sein.

Und womit rechnen die Archäologen? 'Zunächst erwarten wir weitere Bestattungen', so Weber. Schließlich wurden bereits 2003 im Vorfeld der Planungen zur Umgestaltung des St.-Mang-Platzes Grabungen durchgeführt. Dabei kamen 94 Bestattungen des 1537 aufgelassenen Friedhofs zu Tage, der fast die gesamte Fläche des Platzes belegte. Die Skelette werden fachgerecht dokumentiert, auf Alter, Geschlecht und den einstigen Gesundheitszustand des Verstorbenen untersucht und wieder auf einem Kemptener Friedhof bestattet. Sieben Skelette wurden bereits geborgen, darunter das einer schwangeren Frau.

11. Jahrhundert und früher

Weber und Sontheim erhoffen sich daraus wesentliche Erkenntnisse über Art und Gliederung des mittelalterlichen Friedhofs und zu einem repräsentativen Querschnitt der Bevölkerung Kemptens vom 11. bis ins 16. Jahrhundert. Weber: 'Wir wollen so ein Stück Gesellschaftsgeschichte von Kempten im Mittelalter schreiben.'

Aber vielleicht gibt es auch Hinweise auf die noch ältere Geschichte der Stadt. So lassen zahlreiche Münzfunde im Bereich der Mühlberghäuser ('Haus Lichtblick') vermuten, dass das Gelände bereits zum spätrömischen Militärort Cambidanum aus dem 3. und 4. Jahrhundert nach Christus gehörte. Die Sanierungsarbeiten in der St.-Mang-Kirche, in der eine spätantike Siedlungsschicht gefunden wurde, bestätigt diese Vermutung.

Außerdem, so Weber weiter, werde der St.-Mang-Platz in historischen Abhandlungen des vergangenen Jahrhunderts immer wieder als Areal des ersten Kemptener Klosters aus dem 8. Jahrhundert angesprochen. Daher könnten frühmittelalterliche Wurzeln bis hin zum Ort der Klosterzelle des Heiligen Magnus nicht ausgeschlossen werden. 'Wenn wir da etwas finden würden, wäre das aber eine absolute Sensation', schränkt Sontheim ein. Bereits entdeckt sind jedoch die Grundmauern der 1857 abgebrochenen, innen zum Teil reich ausgemalten Michaelskapelle. Sie sollen jetzt in den Abmessungen exakt erfasst und dann bei der Gestaltung des Platzes dargestellt werden.

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