Goten, Tobelmännlein und Frohnaturen

Lindenberg | ver | Es sind Namen, die fremd, witzig und manchmal geheimnisvoll klingen. Worte, die einen zum Schmunzeln bringen und scheinbar nichts mit einer Wohnsiedlung zu tun haben: In unserer neuen Serie erzählen wir in loser Reihenfolge die Geschichten, die hinter kuriosen Ortsnamen stecken.

Manzen: Das reimt sich auf 'tanzen', 'schanzen' oder 'Ranzen' - der 'Pumuckl' hätte seine wahre Freude. Aber woher der Name kommt: Fragezeichen. Die Erkenntnis gibt’s, wenn man sich wie Stadtarchivar Günter Fichter an die Bücher hält: Manzen kommt von 'Mann' - dieses Wörtchens bediente man sich früher gerne als Stamm für Namen wie Manhard, Manobold, Kirchmann oder Hausmann.

Klingt alles irgendwie umständlich - also wird das Ganze wieder auf 'Manz, Menz oder Mentzler' verkürzt. Manzen ist also der Ort, wo eine Person mit ähnlichem Namen und vielleicht deren Sippe hauste. Möglich ist auch, dass hier ein 'Manzo' eine Siedlung gründete. Ein potenzieller Nachfahre taucht 1561 in einem Altenburger Abgabenverzeichnis auf: Peter Manz. Ab 1936 wird eine Familie Manz jedoch in keiner Urkunde mehr erwähnt. Eine andere Variante legt nahe, dass im Ort besonders viele Frohnaturen lebten - denn 'manzig' bedeutet so viel wie 'unschuldige Fröhlichkeit, ungezwungene Lebhaftigkeit'. Nachteil: Diese Version lässt sich durch nichts belegen.

Also immer die naheliegende Lösung wählen? Falsch. Denn Goßholz zum Beispiel hat absolut nichts mit Bäumen zu tun. Dafür aber wahrscheinlich mit den Goten: Den Namen 'Cozhold' bekam nämlich jemand, der ein Faible für dieses Völkchen hatte - 'coz' verweist auf einen bekannten Gotenstamm. Der Name wandelt sich zu Gossholt, aus der Niederlassung Cozholds wird Gossholts. Später weiß aber keiner mehr so genau, was es mit diesem Namen eigentlich auf sich hat. Und weil das '-ts' sowieso komisch klingt, deutet man das Ganze um, drückt bei der Schreibweise ein Auge zu und macht ein 'z' daraus. Übrigens lebten in Goßholz früher laut einer Legende die Tobelmännlein. Die waren hilfsbereite und pflegeleichte kleine Zeitgenossen, die unter großen Steinen an einem Berghang hausten. Mächtig ungemütlich wurden die putzigen Männchen aber, als die Menschen über ihrem Zuhause eine Eisenbahnstrecke bauten. Als vom Berg all zu viel abgegraben wurde, schritten die Tobelmännlein zur Tat und zerstörten den Fahrdamm. Trotzdem wurde weitergebaut und beim nächsten Mal stoppten die Männlein die Lokomotive mittels Riesen-Schneehaufen. Weil der Lokführer gar fürchterlich fluchte, wurden die bis dahin so netten Männlein rüde: Sie bescherten dem Mann samt Lok eine Talfahrt in ein tiefes Sumpfloch und kehrten Goßholz für immer den Rücken.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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