Kempten
Gorbatschow verblüfft Zuhörer

Balalaika - beim Klang dieses Wortes tauchen Bilder auf von Lagerfeuer-Folklore, von Kosakentanz, von Serenaden-Ständchen für die Angebetete. Was könnte man auch anderes anfangen mit drei dünnen Darmsaiten über einer dreieckigen Zigarrenschachtel?

Wer so denkt, hat noch kein Konzert mit dem Moskauer Professor Andreij Gorbatschow und seinem Klavierbegleiter Lothar Freund erlebt. In der ausverkauften Galleria in Kempten bestaunten die Zuhörer das atemberaubende Spiel dieses derzeit konkurrenzlosen Balalaika-Virtuosen.

Bei einem Auftritt in einer der internationalen Musik-Metropolen - so erzählte Pianist und Moderator Freund - verwirrte «Gorbi» den Veranstalter schon beim Sound-Check derart, dass der Arme den russischen Ausnahmekünstler dem Publikum als «Papageno der Balalaika» ankündigte. Tatsächlich sah man auch den Gesichtern in der Galleria an, wie es den Zuhörern beim Zuschauen wirblig wurde im Kopf: Sie beobachteten einen Paganini der Balalaika allemal, aber sozusagen permanent auf der Überholspur.

Finger flitzen übers Griffbrett

Sein handliches Instrument ist auf e-e-a gestimmt. Kein Problem für Gorbatschow, darauf die kapriziöse «Campanella» aus dem h-Moll-Violinkonzert von Niccoló Paganini zu spielen. Ach, was heißt hier «spielen»? Hinter den dicken Brillengläsern blitzten die blauen Äuglein auf, der Haarkranz der Mönchstonsur flog, die Finger der linken Hand flitzten übers Griffbrett, die bloßen Fingerkuppen der Rechten wirbelten im Turbotempo auf und ab - diese höllisch schnellen und trotzdem präzisen 64stel-Läufe mag man sich gar nicht gedruckt vorstellen. Aber Andreij Gorbatschow spielt sowieso alles auswendig: Balalaika-Konzertstücke seiner Landsleute Andreew, Nasonow, Milstein, Gavroshin. Natürlich auch den «Hummelflug» von Rimski-Korsakow. Und zwar so, dass vor dem Beifalljubel noch ein aufatmendes Raunen durch den Saal gehen muss.

Die Krönung, auch pianistisch, ist zum Schluss eine «Konzertfantasie» über Themen aus «Porgy and Bess» von George Gershwin. Als Rausschmeißer-Zugabe dann doch noch Folkloristisches, mit ironischem Augenzwinkern als «Stück aus Gorbatschows Heimat» angekündigt: «Der lustige Cowboy», mit dem «Tiger Rag» als Running Gag. Berauschend!

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