Nicht mehr im Playstore
Google nimmt "Späher"-App des Oberallgäuer AfD-Bundestagsabgeordneten Felser aus dem Programm

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Der Oberallgäuer AfD-Bundestagsabgeordnete Peter Felser (50) hat in seiner eigenen Kemptener IT-Firma eine App entwickeln lassen, die angeblich zeigt, wer im persönlichen Umfeld die Corona-Warnapp der Bundesregierung nutzt. Das flächendeckende Urteil im Internet über die "Späher"-App der AfD ist eindeutig negativ. "Schrott-App", "Absurd", "Überflüssig" ist da zu lesen, auch auf Technikseiten wie Golem oder Computerbild, die sich die App genauer angeschaut haben.

+++Update am 16.07.+++
Die "Späher"-App ist mittlerweile nicht mehr über den Google-Playstore verfügbar. Google hat die App aus dem Angebot genommen. Apple hatte die "Späher"-App gar nicht erst in den Appstore aufgenommen, laut Felser weil Apple "weiß, wie die Sicherheitsvorschriften sein sollten." Google ist dieser Auffassung von Sicherheit offenbar jetzt gefolgt. Damit ist die App jetzt nirgendwo mehr auf dem Markt.

Peter Felser dazu auf seiner facebook-Seite: "Google unterwirft sich ohne Not dem Diktat der Bundesregierung. Letztere will natürlich nur ihre fragwürdige sogenannte Warn-App vor unserer Entlarvung schützen." Es werde erneut deutlich, "welche Auswirkungen regierungsunkritische Medienmonopolisten auf die Meinungsfreiheit haben. Diese Zensur werden wir nicht hinnehmen." Felsers Appverlag will jetzt die "Späher"-App eventuell kostenlos parallel zum Google-Play-Store anzubieten.

Grund für die App: Skepsis gegenüber der Corona-Warnapp des Robert-Koch-Instituts

In einem Video auf der facebook-Seite seines Kreisverbandes erklärt Felser den Sinn der "Späher"-App: "Wir wollten wissen: Wer nutzt die Corona-App, wo wird sie genutzt und wird sie in meinem Umfeld genutzt?" Felser habe die "Späher"-App entwickeln lassen, weil er und seine Partei skeptisch seien, ob die Daten mit der offiziellen Corona-Warn-App tatsächlich "so sicher sind, wie es versprochen wurde". Sämtliche Experten bestätigen allerdings die Datensicherheit der Corona-Warnapp des Robert-Koch-Instituts, besonders die, die sich den öffentlich zugänglichen Quellcode der Corona-Warnapp genau angeschaut haben.

Was genau macht die "Späher"-App der AfD?

Felser sieht die AfD-App als "Gegenapp" zur offiziellen Corona-Warnapp. Die "Späher"-App ermittelt Bluetooth-LE-Verbindungen, eine energiesparende Funktechnik, in ihrem näheren Umfeld und zeigt dem User die Anzahl dieser Verbindungen an. Die Corona-Warnapp nutzt diese Technologie.

Warum halten Experten die "Späher"-App für "überflüssig"?

Auch viele andere Geräte nutzten die Bluetooth-LE-Technik. Das kann die Corona-Warnapp sein, das kann aber auch jemand sein, der einen Kopfhörer oder ein Fitnessarmband verwendet, das diese Technologie nutzt. Und diese Verbindungen zählen auf der "Späher"-App mit dazu. Userdaten ("Wer nutzt die Corona-Warnapp?") sind nicht ermittelbar.

Laut Golem wandelt die "Späher"-App die gemessene Signalstärke offenbar direkt in eine Entfernung um, liefert dazu noch die maximale Dauer der Kontakte. "Das dürfte in beiden Fällen nur eingeschränkt möglich sein", heißt es auf Golem. Denn: Die Übertragung dieser Werte erfolgt verschlüsselt. Die "Späher"-App kann diesen Wert also gar nicht verwenden.

Darüber hinaus ändert die Corona-Warnapp alle 15 Minuten die Kennung des jeweiligen Gerätes. Die Daten sind also für eine eventuelle Auswertung von vornherein unbrauchbar.  

Des Weiteren gibt es solche Apps bereits, die lediglich Bluetooth-LE-Verbindungen in der Umgebung ermitteln (sogenannte BLE-Mapper), und zwar kostenlos. Felsers "Späher"-App kostete im Google-Playstore immerhin 1,19 Euro. "Wenn die Entwicklungskosten drin sind, gehen die Erlöse in politische Projekte", so Felser im facebook-Video.   

Was macht die "Späher"-App laut Golem "absurd"?

Während die Conrona-Warnapp des Robert-Koch-Instituts keine personenbezogenen Daten oder Standortdaten irgendwohin übermittelt, wo sie gespeichert oder ausgewertet werden könnten, erfordert die "Späher"-App zwingenden Zugriff auf die Standort-Daten der Nutzer. Und ohne die Standortdaten wäre auch eine Auswertung letztenendes schwierig. Felser im Video: "Uns geht es darum, eine Gegen-App aufzubauen, Transparenz zu schaffen, und dann können wir in zwei, drei, vier Monaten auswerten, was sich hier in Deutschland mit dieser Corona-Warnapp getan hat."

Die "Späher"-App ist also letztendlich zum Ausspähen der Nutzer, zumindest was den Standort angeht, potenziell geeignet, die Corona-Warnapp dagegen nicht.  Absurd werde es dann, "wenn die Tracing-Apps aufgespürt werden sollen, weil man eine dubiose Angst vor einer staatlichen Überwachung hat", so Friedhelm Greis, Redakteur für Netzpolitik bei Golem.

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