Oberstdorf
Gleich zwei Krankheitsherde sorgten für Masseninfektion bei 200 Bergwanderern

Die massenhafte Erkrankung von Bergwanderern in den Allgäuer Alpen ist nicht allein durch verunreinigtes Trinwasser ausgelöst worden, sondern auch durch Noroviren. «Wir haben zwei mögliche Infektionslinien», sagte die Sprecherin des Deutschen Alpenvereins (DAV), Andrea Händel. Betroffen sind neben der seit Sonntag geschlossenen Rappenseehütte auch die Kemptner Hütte und das Prinz Luitpold Haus. Das Landratsamt Oberallgäu sprach gestern Nachmittag von mindestens 200 Bergwanderern, die sich mit einer akuten Magen-Darm-Erkrankung infiziert hatten. Seit Sonntag sind allerdings keine Neuerkrankungen mehr aufgetreten.

«Das ist der schlimmste Fall, den man sich in der Hochsaison vorstellen kann», sagte Händel. Die vom Norovirus betroffenen Hütten liegen im Gebiet des Heilbronner Weges, einer bei Bergwanderern beliebten Route. Nach Angaben der der DAV-Sektion Allgäu-Kempten waren sowohl Kemptner Hütte als auch Prinz Luitpold Haus in den vergangenen Tagen «gut besucht». Die Noroviren sind hoch ansteckend. Die Infektion erfolgt durch Übertragung der Viren von Mensch zu Mensch. Noroviren verursachen Erbrechen und starke Durchfälle, die zu einem erheblichen Flüssigkeitsverlust führen können.

Begonnen hatte die Masseninfektion Ende vergangener Woche auf der Rappenseehütte. Eine defekte UV-Entkeimungsanlage war schuld an der Verunreinigung des Trinkwassers. Insgesamt 44 Wanderer hatten aufgrund massiver Beschwerden stationär behandelt werden müssen. Nach den jetzt beim Landratsamt Oberallgäu vorliegenden Untersuchungsergebnissen wurde bei einigen Proben von Gästen auch die Infektion durch Noroviren zweifelsfrei nachgewiesen. Alpenverein und Landratsamt beschlossen daher, die Desinfektionsmaßnahmen über die Rappenseehütte hinaus zu erweitern. Der Vorsitzende der Sektion Allgäu-Kempten, Harald Platz, sagte, Kemptner Hütte und Prinz Luitpold Haus müssten nun umgehend desinfiziert werden. Eine Schließung der Hütten wolle man vermeiden. Allerdings gebe es «logistische Probleme».

Für die Desinfektion ist eine staatlich anerkannte Spezialfirma notwendig, die am Montag noch auf der Rappenseehütte beschäftigt war. Platz rechnet damit, dass mit der Desinfektion der Hütten heute begonnen werden kann. «Bis dahin gibt es nur Hygiene, Hygiene und Waschen, Waschen», sagte Platz.

Im Zusammenhang mit der defekten UV-Entkeimungsanlage hat die Kriminalpolizei Ermittlungen wegen fahrlässiger Körperverletzung aufgenommen.

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