Glauben gibt den Fastenden Kraft

Buchloe | kfr | Orientalischer Gesang dringt aus dem Gebäude in der Buchloer Hochstattstraße. Es ist die Stimme des Imams Ali Akdag. Im Inneren der Moschee stürmt ein junger Mann die Treppe nach oben. Kurz hält er inne, um sich die Schuhe auszuziehen. Die Gebetsräume im Obergeschoss, von denen einer den Männern, der andere den Frauen dient, dürfen nur ohne Schuhe betreten werden.

Erleichterung beim Gebet

Die gläubigen Muslime stehen aufrecht in Richtung Mekka. Sie verbeugen sich mit ihren Händen an den Kniescheiben, werfen sich nieder und sitzen auf. Bei einem normalen Gebet beugen sich Moslems 13-mal. Doch sie tun es 33-mal. Die zusätzlichen 20 Verbeugungen gehören zum Nachtgebet Teravih, das nur während des Ramadans verrichtet wird. «Das Wort Teravih bedeutet Erleichterung», erklärt Ali Kes (65), Vorsitzender der islamisch-türkischen Gemeinde in Buchloe. Vor dem Nachtgebet, das gegen 21.15 beginnt, nahmen die Gläubigen ein ziemlich üppiges Mahl zu sich. «Doch durch die zusätzlichen Gebetshaltungen liegt einem das Essen nicht schwer im Magen», sagt Gülsah Gölemez (28).

Während des Ramadans kommen jeden Abend rund 80 Leute in die Moschee, um gemeinsam das Fasten zu brechen. Auch dabei sind Männer und Frauen räumlich voneinander getrennt. Jedes Mal kocht eine andere Muslimin. Heute ist Kadriye Tasci (46) an der Reihe. Es gibt eine scharfe Suppe mit türkischem Pfefferminz als Vorspeise.

Doch das Essen kann erst nach dem Gebetsruf des Imam beginnen. Als Erstes soll die Dattel verspeist werden. «Damit brach unser Prophet das Fasten», erläutert Gülsah Göemez. Das Hauptgericht besteht aus Putenfleisch, Reis, Kichererbsen, Weinlaub und Brokkolisalat mit Möhren. Als Nachspeise warten Pamukprenses aus Kokos und Keks sowie süßes Baklava.

Um fünf muss man fertig sein

Im Ramadan sieht der Tagesablauf etwas anders aus. «Man steht um vier Uhr auf, um das Frühstück vorzubereiten. Um fünf muss man mit allem fertig sein», erzählt Elmas Costu (35). Erst nach Sonnenuntergang darf wieder gegessen und getrunken werden. «Die Kraft zum Fasten rührt sicher aus dem Glauben her», sagt Costu. «Und aus der Verinnerlichung, warum man fastet. Man kann nachvollziehen, wie es Menschen geht, die hungern müssen», meint Ali Kes. Wenn morgen der Ramadan vorbei ist, wird das Essen bei Tag für viele Muslime ein ungewohntes Gefühl sein. «Man hat Schwierigkeiten, Dinge in den Mund zu nehmen. Man denkt, man darf das nicht», meint Elmas Costu.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen