Maikundgebung
Gewerkschaft übt in Kempten harte Kritik an Arbeitgebern

'Von gerechten Löhnen in diesem Land sind wir meilenweit entfernt', schimpfte Ludwin Debong. Der stellvertretende Regionsvorsitzende Allgäu-Iller ging auf das zentrale Thema der gestrigen DGB-Maikundgebung in Kempten ein. Die Reallöhne seien in den letzten zehn Jahren trotz wachsender Wirtschaftsleistung gesunken. Im Zuge der Finanzkrise stehe man mitten in einer 'Explosion von Reichtum und Armut gleichermaßen'. Hauptredner Jürgen Kerner, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, ärgerte sich über den 'Casino-Kapitalismus' zulasten der Steuerzahler.

Die Politik sei unfähig, Einhalt zu gebieten. Statt einem rigiden Sparkurs in Europa forderte er 'endlich eine Einführung der Transaktionssteuer'. 40 Milliarden Euro Umsatzrendite seien 2011 in der Metall- und Elektroindustrie erzielt worden.

'Wenn da Arbeitgeber nur Inflationsausgleich wollen, bei der Übernahme von Azubis unverbindliche Empfehlungen anbieten und die Mitbestimmung bei Leiharbeit ablehnen, stehen die Zeichen auf Urabstimmung und Streik', rief der Gewerkschaftler.

Überhaupt sei die Leiharbeit auf über 900 000 Beschäftigte gestiegen – so viele wie nie. Doch Leiharbeit schaffe eine Zwei-Klassen-Gesellschaft im Betrieb. Leiharbeiter bekämen für gleiche Arbeit bis zu 50 Prozent weniger und hätten kaum Rechte.

Der Redner prangerte auch 'andere ungesicherte Arbeitsverhältnisse an: Werkverträge, Praktika, Scheinselbstständigkeit und Minijobs. Letztere, so auch Debong, würden vor allem in Kempten und im Oberallgäu boomen: Von 80 000 Sozialversicherungspflichtigen seien 25 000 geringfügig beschäftigt.

Für Debong riecht das nach 'Zersplitterung der Beschäftigungsverhältnisse mit Altersarmut.' Laut Kerner sind im letzten Jahr 48 000 junge Menschen in die IG Metall eingetreten. In der Hoffnung, statt den 'Verwilderungen des Arbeitsmarktes' mehr Sicherheit zu bekommen. Das 'Gejammere' wegen Fachkräftemangel mache keinen Sinn, wenn andererseits Hunderttausende junger Menschen keine Perspektive und Sicherheit bekämen.

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