Gewaltattacke wegen langer Haare und schwarzer Kleidung

Kaufbeuren | bbm | Für den Jugendrichter war es 'eines der widerwärtigsten Verfahren, das ich jemals hatte'. Fünf Angeklagte im Alter zwischen 15 und 20 Jahren hatten im Februar gemeinsam mit sechs weiteren Tätern regelrecht Jagd auf zwei junge Leute (18 und 19) gemacht. Nachdem die Opfer im Nachtbus vom Plärrer nach Neugablonz angepöbelt und bedroht worden waren, wurden sie nach ihrem Ausstieg von der Gruppe verfolgt und zu Boden gerissen. Anschließend hagelte es Schläge und Tritte. Einer der zwei Geschädigten erlitt eine Schädelprellung sowie eine Platzwunde im Gesicht. Beide Opfer trugen Prellungen und Abschürfungen am ganzen Körper davon.

Vor Gericht war deutlich geworden, dass die Angeklagten ihre Opfer ohne jeden Anlass angegriffen hatten. Die Attackierten hatten sich angesichts anhaltender Pöbeleien im Bus sogar noch von der Gruppe weggesetzt und mehrmals betont, dass sie keinen Ärger haben wollten. Sogar die Angeklagten räumten mehrheitlich ein, dass die jungen Leute damals 'gar nichts gemacht hatten.' Offenbar reichte den Angreifern für ihre Aggressionen der Umstand aus, dass die Geschädigten dunkel gekleidet waren und lange Haare hatten. Dies machte sie in den Augen ihrer Peiniger zu 'Rockern' - wobei die Angeklagten auf Nachfrage gar nicht erklären konnten, was ein Rocker sei.

Der Richter sah im Urteil deutliche Parallelen zu einem Vorfall in den neuen Bundesländern, bei dem indische Mitbürger offenbar wegen ihrer Herkunft gehetzt und misshandelt worden waren. Es sei 'um keinen Deut etwas anderes, wenn ich Leute jage, weil sie schwarze Lederjacken tragen und lange Haare haben.'

Den Auftakt zu dem Vorfall hatten seinerzeit Provokationen eines alkoholisierten 17-Jährigen gemacht. Der Jugendliche beschimpfte die beiden schwarz Gekleideten im Bus unter anderem als 'Scheiß-Rocker' und stellte ihnen in Aussicht, er werde sie 'fertigmachen'. Die Stimmung war schließlich so aufgeheizt, dass die Opfer beschlossen, eine Haltestelle früher auszusteigen als geplant. Sie wurden dann von insgesamt elf Personen verfolgt und brutal verprügelt. Als die vom Busfahrer alarmierte Polizei vorfuhr, flüchteten die Angreifer..

Die Angeklagten wurden schließlich der gefährlichen Körperverletzung schuldig gesprochen, richterlich verwarnt und zu Dauerarresten zwischen drei und vier Wochen verurteilt. Auch die sechs anderen Täter, gegen die in nicht öffentlicher Sitzung verhandelt worden war, hatten Dauerarreste erhalten.

'Können heilfroh sein'

Im jetzigen Urteil machte der Richter den fünf Angeklagten deutlich, dass sie 'heilfroh sein können, dass nicht noch mehr passiert ist.' Er verwies ausdrücklich auf ein anhängiges Verfahren in einem ähnlich gelagerten Fall, in dem das Opfer eine Gehirnblutung erlitten hatte und nur durch eine sofortige Notoperation gerettet werden konnte.

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