Neugablonz
Geschichte eines Erfolges

Kein anderes Unternehmen ist mit der Geschichte von Neugablonz so eng verwoben, keines hat das Gesicht des Stadtteils so entscheidend geprägt: Ohne das Gablonzer Siedlungswerk (GSW), das wurde beim 60. Geburtstag der gemeinnützigen Wohnbaugenossenschaft deutlich, ist Entwicklung der bayernweit einzigartigen Vertriebenen-Siedlung vom Ruinengelände zur «Schmuckstadt» schlicht nicht vorstellbar. Aus der Not heraus geboren, sorgte diese Selbsthilfeorganisation der Vertriebenen seit ihrer Gründung 1949 dafür, dass tausende Flüchtlinge wieder ein Dach über dem Kopf bekamen.

Der Startschuss fiel im Mai 1950 mit dem Bau von 60 Wohnungen an der Sudentenstraße. Heute verwaltet das GSW knapp 1500 Wohneinheiten - und ist immer noch der Ansprechpartner Nummer eins für die Stadt Kaufbeuren, wenn es um die Entwicklung von Neugablonz geht.

Schon die Festansprachen im Saal des Gablonzer Hauses machten den unglaublichen Aufstieg von Neugablonz und seiner Wohnbaugenossenschaft deutlich. Doch erst die gut halbstündige Film-Dokumentation «Vom Trümmergelände zur Schmuckstadt», die das GSW zum 60. bei Georg Ried in Auftrag gegeben hatte, zeigte eindrücklich, wie hart es damals wirklich war: Gespräche mit Zeitzeugen und Originalaufnahmen aus der Anfangszeit mit Bildern erschöpfter Menschen inmitten von Trümmern und Fotos der ersten Holzbaracken und den elenden Anfängen der später in aller Welt bekannten Gablonzer Industrie ließen keinen Zweifel daran, mit welch ungeheurem Mut die Menschen damals einen Neuanfang wagten.

Große Leistung

«Was diese Männer und Frauen geleistet haben», betonte Alt-OB Rudolf Krause, dafür müsse man ihnen heute noch dankbar sein. Mit Hilfe des GSW sei «auf Trümmern und aus Trümmern» in sechs Jahrzehnten eine Kleinstadt erwachsen, die ihresgleichen suche. Oberbürgermeister Stefan Bosse sprach gar von einem «Wunder», was alles in so vergleichsweise kurzer Zeit geschehen sei - und bekannte sich (fast) in Kennedy-Manier zu Neugablonz: «Ich bin auch von hier», sagte Bosse. Als keiner Bub habe er sich oft auf dem Gelände einer Schmuckfirma herumgetrieben: «Mein Onkel war der Hausmeister».

Wie das GSW in nur sechs Jahrzehnten zu einer der größten Wohnbaugenossenschaften Schwabens wachsen konnte, versuchte Dr. Wolfgang Völsch zu erläutern. Doch die ungeheure Bautätigkeit der frühen 1950er Jahre - allein im Jahr 1952 wurden 500 Wohnungen hochgezogen - und die rückblickend explosionsartig anwachsende Zahl der Genossenschaftsmitglieder verschlugen auch dem GSW-Aufsichtsratsvorsitzenden fast die Sprache.

Gründungsmitglieder des GSW konnte Völsch zwar nicht mehr auszeichnen, aber er fand vier Personen, die ihre Anteilsscheine nur wenige Jahre nach der denkwürdigen Versammlung am 17. Dezember 1949 im Kaufbeurer «Stachus» unterzeichnet haben: 57 Jahre dabei sind Antonie Lindner, Manfred Rostalski und Völschs Tante Anneliese Schmid. Erich Hillebrand trat dem GSW vor 54 Jahren bei.

Übrigens: Mit seinen 60 Jahren ist das Gablonzer Siedlungswerk sogar älter als Neugablonz selbst - der Stadtteil durfte diesen Namen erst ab 1952 offiziell benutzen.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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