Jubiläum
Geschichte der Martinskapelle erzählt viel über Nadenberg

Vor vielen Jahren hat es im Westallgäu schon einmal einen Bürgermeister Zeh gegeben. Anton hieß er mit Vornamen und war Anfang des 20. Jahrhunderts Bürgermeister von Nadenberg. Nadenberg gehörte zwar schon damals zur Stadt, die Filiale war aber noch nicht durch Bebauung verbunden mit dem Hauptort.

Vor allem im Winter war der Weg in die Stadt über schlecht befestigte Straßen oft mühsam. 21 bäuerliche Anwesen bildeten damals den Ort. Aus eigenen Reihen wählten die Familien eine Art Vorsteher, den sie «Bürgermeister» nannten. 100 Jahre ist diese Epoche her. Dass sie jetzt wieder ins Bewusstsein rückt, ist den Nadenbergern zu verdanken. Sie feiern am Samstag das 100-jährige Bestehen ihrer Kapelle St. Martin und das 80-jährige des Kapellenvereins. Der aus diesem Anlass herausgegebene umfangreiche Kapellenführer beschreibt nicht nur das kleine Gotteshaus, sondern auch die Geschichte des Ortsteils Nadenberg. Und damit auch ein Stück der Lindenberger Stadtgeschichte.

Zwei Namen sind untrennbar mit der Nadenbergkapelle verbunden: Brinz und Brauns. Die Eheleute Martin und Maria Brinz, geborene Hagspiel, erfüllten nach schwerer Krankheit mit dem Bau der kleinen, neubarocken Kirche ein Gelübde. Am Martinstag 1910 wurde die Kapelle geweiht. 20 Jahre lang betreute das Stifter-Ehepaar die Kapelle, unterstützt von den anderen Nadenberger Familien.

Dass das Kirchlein gepflegt wird als religiöses Zentrum mit regelmäßigen Messfeiern sowie als Schmuckstück des Ortes, war auch dem Theologen Dr. Heinrich Brauns ein Anliegen. Der ehemalige Reichsarbeitsminister der Weimarer Republik hatte nach seinem Ausscheiden aus der Regierung Lindenberg zur Wahlheimat erkoren. Auf seine Initiative hin wurde am 20. März 1930 der Kapellenverein Nadenberg gegründet, in desssen Besitzt die Kapelle im Jahr 1943 schließlich überging.

Brauns war der erste Vorsitzende des Vereins.

Ex-Minister schenkt Häuser

Segensreich wirkte Heinrich Brauns auch in anderer Hinsicht. Ihm ist es zu verdanken, dass die Barmherzigen Schwestern vom Heiligen Kreuz in Lindenberg eine kleine Gemeinschaft gründeten. Er schenkte der Ordensgemeinschaft seine beiden Häuser am Nadenberg. Somit war auch nach seinem Tod gewährleistet, dass auf dem Nadenberg immer Priester leben und somit regelmäßig Gottesdienste in der Kapelle gefeiert werden können. Die Ansiedlung der Schwesterngemeinschaft wirkte sich auch auf Lindenberg aus. Die Ordensfrauen arbeiteten im Krankenhaus und im Kindergarten.

Heute verbringen noch fünf Kreuzschwestern unter Leitung von Oberin Irmengard ihren Ruhestand in Lindenberg. Die Jüngste von ihnen, Schwester Gervosia (71 Jahre), verrichtet den Messnerdienst in der Kapelle. In der Priesterwohnung lebt Pfarrer Stefan Kolodziej. Der 65-jährige gebürtige Pole wirkte früher als Missionar in Indonesien und verbringt seinen Ruhestand im Westallgäu. Jeden Sonntag um 8 Uhr feiert er mit den Nadenbergern die Heilige Messe in der Martinskapelle.

Ministranten und Organist

Dass im Sonntagsgottesdienst nichts fehlt, was katholische Gläubige von ihren Pfarrkirchen her kennen, ist dem Kapellenverein besonders wichtig. «Wir haben drei Ministranten, einen Organisten und einen Lektor», zählt Vorsitzender Wolfgang Stibi auf. Er ist überzeugt, dass die regelmäßigen Gottesdienste die Ortsgemeinschaft lebendig halten.

Freilich steht die Kapelle sonntags nicht nur den Nadenbergern offen. «Jeder ist herzlich willkommen», so Stibi. Vor allem an Weihnachten nehmen Auswärtige das Angebot gerne an. Die Mette um 17 Uhr ist immer gut besucht.

Dass die Nadenberger die Martinskapelle als ihr Zentrum empfinden, zeigt das Engagement, mit dem sich der Kapellenverein in den vergangenen Monaten um den Kapellenführer bemüht hat. Vorsitzender Wolfgang Stibi und Organist Otto Wilhelm haben viele Stunden damit zugebracht, das Heft zu konzipieren, zu recherchieren und Texte und Bilder zu sichten. Eine spannende Arbeit, wie beide bestätigen. «Wir haben vieles nicht gewusst», sagt Wilhelm, der seit 33 Jahren die Orgel in der Nadenbergkapelle spielt.

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