Obergünzburg
Geschenk besonderer Art

Ludwig Holzheu ist ein «waschechter» Obergünzburger. Wie seine Frau Elly zählt er zu den Senioren, die die Obergünzburger Arbeitsgemeinschaft «Lokalgeschichte» als Zeitzeugen befragte. Und das Ehepaar erinnerte sich an vieles, das Projektleiter Wilhelm Weinbrenner zu Papier bringen konnte. Als besondere Würdigung ihres Beitrages, die Obergünzburger Heimatgeschichte lebendig zu halten, schenkte ihnen die Gemeinde zum 90. Geburtstag eine Extra-Führung mit Museumsleiter Ulrich Habich durch die Südseesammlung. Auch Zweiter Bürgermeister Herbert Heisler war dabei.

Elly Holzheu feierte im September ihren 90. Geburtstag, Ludwig Holzheu zählt am 29. Dezember 90 Lenze. Ihre Erinnerungen trugen zum Beispiel dazu bei, dass der «Circus Deppensammer» - bis zum Zweiten Weltkrieg ein wiederkehrendes unterhaltsames Ereignis - als «Kleine Abendschau» wieder auflebte und in einer Chronik zusammengefasst wurde. Viele der Fotos und Dokumente aus mehreren Jahrzehnten vermacht das kinderlose Ehepaar, das heuer diamantene Hochzeit feierte, dem Gemeindearchiv. «Ein sehr willkommenes Vermächtnis», wie Herbert Heisler sagt.

«Durch die Fragen», so Elly Holzheu, «ist bei mir wieder vieles in Erinnerung gekommen, das schon längst vergessen war.

» Ähnlich sei es den anderen Zeitzeugen gegangen: Das Projekt «Lokalgeschichte» trage also nicht nur dazu bei, Geschichte und Geschichten der Nachwelt zu erhalten, sondern diene auch den Senioren, ihr Leben noch einmal Revue passieren zu lassen, sagt Projektleiter Wilhelm Weinbrenner.

In der Südseesammlung, die im Mai eröffnet wurde, war das Ehepaar nun zum ersten Mal. Und sie waren beide sehr gespannt auf die Reise «im Fahrstuhl auf die andere Seite der Welt», auf die sie Ulrich Habich mitnahm. Der Obergünzburger Kapitän Karl Nauer (1874-1962) hatte die Sammlung Anfang des vergangenen Jahrhunderts zusammengetragen. Gut finden es die Holzheus, dass sie jetzt ein eigenes Gebäude bekommen hat. Persönlich, so Ludwig Holzheu, habe er seinen Zeitgenossen Nauer zwar nicht gekannt, nur dessen Bruder.

Aber wenn Karl Nauer in Obergünzburg spazieren gegangen sei, habe jeder gewusst, wer er war.

Zwei bewegte Leben

Von einem bewegten Leben erzählen die Holzheus in ihren Zeitzeugenberichten. Insbesondere ihr Kriegseinsatz als Stabshelferin beziehungsweise Soldat in Russland, Osteuropa und anderen Ländern berührt. Aber auch die Zeit des Wiederaufbaus in Obergünzburg wird durch ihre Erzählung lebendig.

«Heutzutage gibt es eine Jugend, die interessiert ist zu erfahren, wie wir aufgewachsen sind und wie wir erlebt haben.

Wenn sich niemand als Zeitzeuge zur Verfügung stellte, ginge alles verloren», sagte Ludwig Holzheu seinem Interviewer Wilhelm Weinbrenner, der sich beeindruckt zeigt, mit zwei Menschen gesprochen zu haben, die die Weimarer Republik, das Dritte Reich, die Besatzung und die Bundesrepublik Deutschland erlebt haben.

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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