Interview
Geschäftsführer des E-Werks Hindelang Wilhelm Hengge über die Energiewende

Wilhelm Hengge ist Realist. Er glaubt nicht an die schnelle Energiewende bis 2022. Und das, obwohl der Geschäftsführer der Elektrizitätswerk Hindelang eG (EWH) zusammen mit privaten Stromerzeugern in der Gemeinde auf einem guten Weg ist.

Wasserkraft und Photovoltaik (PV) können den jährlichen Energieverbrauch der Gemeinde von rund 22 Millionen Kilowattstunden zu 63 Prozent physikalisch decken. Das EWH allein erzeugt 38 Prozent.

Herr Hengge, warum glauben Sie nicht an die politisch gewollte Energiewende?

Hengge: << Wir brauchen 560 Milliarden Kilowattstunden Strom in Deutschland jährlich. Das muss man durch Grundlastkraftwerke decken. Wenn man die AKWs abschaltet, braucht man andere große Kraftwerke, die den Stromsee steuern und überwachen, die eine hohe Frequenz ohne Schwankungen halten und immer einspringen können. Die Lösung wären Pumpspeicherkraftwerke. Doch die sind umstritten. >>

Warum?

Hengge: << Nehmen wir Bad Hindelang. Das Becken für ein Pumpspeicherkraftwerk müsste 30 Millionen Kubikmeter Wasser fassen. Dann wären wir energiepolitisch unabhängig. Doch wo soll man so etwas hinbauen? Das wäre 30 Mal so groß wie der Schrecksee. >>

Was ist mit Windkraft?

Hengge: << Das ist in unserer zerklüfteten Berglandschaft kaum möglich. Bis zu 120 Tonnen wiegen die Bauteile für eine solche Anlage. Da müsste man extra befestigte Straßen für den Transport bauen. Eine Untersuchung gab es einmal für das Gelände zwischen Unterjoch und Tannheimer Tal. Doch eine Realisierung würde sicher keine Freunde bei Naturschützern finden. >>

Gibt es Alternativen?

Hengge: << Verzicht der privaten Haushalte ist eine Alternative. Doch erzählen Sie mal einer Hausfrau, dass sie nicht gleichzeitig Waschen, Backen und Trocknen kann. Die Energiewirtschaft versucht, jetzt die Haushalte mit neuen intelligenten Stromzählern und variablen Tarifen umzuerziehen. >>

Wie soll das funktionieren?

Hengge: << Mit neuen elektronischen Stromzählern, die es seit heuer gibt, kann der Kunde seinen Stromverbrauch kontrollieren und auswerten. Ab Januar gibt es spezielle Tarife, die morgens, mittags und abends teurer, dafür nachts, vormittags und nachmittags billiger sind. Ziel ist ein gleichmäßiges Stromband bei den Haushalten zu erreichen. Große Hotels machen das schon länger so. >>

Wird damit Energie eingespart?

Hengge: << Die Bundesnetzagentur gibt an, dass zehn Prozent Energie eingespart werden kann. >>

Wie will das EWH zur Energiewende beitragen?

Hengge: << Mittelfristig haben wir in Bad Hindelang das Ziel, mehr alternativen Strom zu erzeugen, als wir verbrauchen. Unser Netz ist gut ausgebaut, um den alternativ erzeugten Strom aufzunehmen. Wasserkraft können wir noch in einem verträglichen Maß ausbauen. Ebenso sind wir bei einem Offshore-Projekt in der Ostsee beteiligt. Letztlich ist die Mitarbeit der Bevölkerung gefragt. Das heißt: Strom sparen. >>

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by Gogol Publishing 2002-2020

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen