Füssen
Gerichtstage nach Gusto der Gäste

Mit seinem Urteil steht der kleine Nico Ketterer aus dem Badischen nicht allein: «Die Gerichtstage in Füssen sind toll.» Besonders stark beeindrucken den Siebenjährigen beim Rundgang auf dem Schrannenplatz die Rittersleute in ihren Kettenhemden und Helmen. Nico selbst aber will zu den Bogenschützen gehören - er hatte sich heimlich eine Armbrust gewünscht, weiß sein Papa. Ganz fest hält der Bub vor einem Stand das neue Spielzeug in der Hand. «Mein Papa hat mir auch erklärt, dass ich mit diesem Geschenk vorsichtig umgehen muss», erzählt Nico stolz. Derweil spazieren Prinzessinnen und Burgfräulein in festlicher Kleidung vor der Bühne herum. Schon kurz nach der Markteröffnung füllt sich am Mittag der Platz. Die von Lanzen bewachten Leute sprechen Italienisch, Spanisch, Englisch und natürlich heimische Dialekte.

«Oh, pardon», entschuldigen sich jeder, der am Hofe gute Erziehung genießen durfte. Weil jedoch die Füssener Altstadt für zwei lange Tage in die mittelalterliche Blütezeit zurückgekehrt ist, sind leider auch stumm bleibende Rüpel unterwegs. Und in engen Gassen entsteht nicht nur dann Gedränge, wenn das hohe Gericht einzieht.

«In der ersten Stunde haben wir bereits von 200 Leuten den Marktzoll von zwei Talern für Erwachsene erhalten. Dass es heute kein Badewetter gibt, ist für unsere Gerichtstage ideal. Die Gäste kommen aus nah und fern», so Benny Begander am Samstag. Er ist einer der vielen Helfer dieser wieder gut angenommenen Veranstaltung.

Der Kaiserverein hat in Zusammenarbeit mit Füssen Tourismus und Marketing (FTM) erneut bunt gekleidete Spielleute, Händler und zudem die eine oder andere seltsame Gestalt in die Altstadt gelockt. Auch Handwerker sind vor Ort. Mit einem Lied auf den Lippen wird mit moderner Technik flugs ein Schutzdach gegen die urplötzlich einsetzenden feuchten Grüße vom Himmel gebaut.

Mit der Gruppe «Heidenlärm» aus Berlin ist den Veranstaltern laut vielen Stimmen aus dem Publikum ein guter Griff gelungen. Obwohl mit den Balladen und Tänzen am Samstag auch Regen einsetzt, herrscht unter den Augen des Kaisers beste Stimmung beim Volke - das weder Durst noch Hunger leiden muss. Bedauernswerte Geschöpfe sind jene Frauen und Männer, die vor Gericht stehen und sich für ungeheuerliche Taten verantworten müssen.

Mit «historischen Justizfällen» erspielte sich das Aichacher Volkstheater auch in diesem Jahr wieder Szene für Szene die Gunst des Publikums. Es weiß zu schätzen, dass die Vielfalt der Künste und darüber hinaus kulinarische Angebote für jeden Geschmack bei den «Gerichtstagen» immer die Hauptsache sind. Nicht der eine oder andere Paragraf.

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