Waltenhofen/Kempten
Gericht: Kinder in vermülltem Haus nicht in Gefahr

Gut ein Jahr, nachdem die Polizei zwei Kinder aus einer völlig verwahrlosten und vermüllten Wohnung in Waltenhofen geholt hatte, wurde nun der juristische Schlusspunkt unter den Fall gesetzt: Das Amtsgericht stellte die Verfahren gegen die Mutter der Kinder, die Großeltern, einen Jugendamts-Mitarbeiter und eine Familienhelferin gegen Geldauflagen ein.

Der Fall war durch eine Tierschützerin ins Rollen gekommen (wir berichteten). Ihr waren die «katastrophalen» Zustände in einem Zwinger auf dem Grundstück aufgefallen. Da sie mit einer Anzeige aus ihrer Sicht nicht weiterkam, beobachtete die Tierschützerin die Situation weiter und alarmierte schließlich die Polizei. Diese stellte vor Ort fest, dass nicht nur der Hundezwinger völlig verkotet war, sondern sich das gesamte Grundstück und das Wohnhaus in unhaltbarem Zustand befanden. In dem Haus lebten die damals vier und sieben Jahre alten Kinder gemeinsam mit ihren offenbar überforderten Großeltern. Die Mutter hielt sich häufig bei ihrem Lebensgefährten in einer anderen Gemeinde auf.

Regelmäßig in der Schule

Während die Kinder vorübergehend bei einer Pflegefamilie untergebracht wurden, begann die Polizei mit den Ermittlungen gegen die Mutter und die Großeltern. Geprüft wurde auch, ob Versäumnisse des Oberallgäuer Jugendamts vorlagen, das die Familie zu diesem Zeitpunkt schon betreute.

Ein Jahr später war nun bereits ein Verhandlungstermin gegen alle Beteiligten angesetzt - wegen Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflicht. Laut Amtsgerichtssprecher Christian Roch zog der zuständige Richter zuvor aber noch einen Sachverständigen hinzu. Dieser sei zwar zu dem Ergebnis gekommen, dass die Verhältnisse in dem Waltenhofener Wohnhaus extrem schlecht waren. Eine konkret eingetretene Gefährdung der Kinder, die heute nicht mehr bei den Großeltern wohnen, habe aber nicht bestanden. So sei der Siebenjährige regelmäßig sauber und mit Brotzeit in der Schule erschienen. Auch wurde schon 2008 festgestellt, dass die Kinder gesund waren.

Mit Zustimmung der Staatsanwaltschaft stellte das Amtsgericht das Verfahren wegen geringer Schuld und gegen Geldauflagen ein. Zwischen 750 und 1500 Euro müssen Mutter, Großeltern, Jugendamtsmitarbeiter und Familienpfleger zahlen - die Höhe der Auflagen bemisst sich am Einkommen.

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