Mauerstetten / Kaufbeuren
Geothermie-Träume vorerst begraben

Die Eurphorie war riesig, nun stellt sich Ernüchterung ein: Das Geothermie-Projekt in Mauerstetten ist in seiner geplanten Form offenbar gescheitert. Nach Informationen der Allgäuer Zeitung hat die Bohrmannschaft zwar heißes Tiefenwasser gefunden, allerdings war die sogenannte Schüttung nicht ausreichend. Das heißt, die Wasservorkommen in rund 4500 Metern Tiefe sind zur Energiegewinnung nicht wie vorgesehen nutzbar. Die Betreiberfirma Exorka möchte dies so nicht bestätigen. «Mauerstetten war, ist und bleibt ein anspruchsvolles Geothermie-Projekt», so Exorka-Direktor Curt Bems. «Im Augenblick werten wir die Ergebnisse der Bohrung aus und sondieren das optimale Weiter

Einst große Pläne

Hoffnung machten einst vor allem die geologischen Gegebenheiten. Denn unterhalb der Gemeinde Mauerstetten, die im süddeutschen Molassebecken zwischen Donau und Alpen liegt, ist der saubere Wärmeträger Wasser nach Ansicht der Fachleute reichlich vorhanden. Die in der Flüssigkeit gespeicherte Energie kann sowohl direkt, etwa zum Heizen und Kühlen, indirekt zur Erzeugung von elektrischem Strom oder in einer Kraft-Wärme-Kopplung genutzt werden. Exorka hatte angekündigt, im Fall erfolgreicher Probebohrungen ein Kraftwerk mit einer Leistung von vier bis fünf Megawatt zu bauen. 10000 Haushalte hätten damit nach Ansicht der Betreiber versorgt werden können. Vorgesehen war, aus zwei Bohrlöchern pro Sekunde jeweils 80 Liter 130 Grad heißes Wasser an die Oberfläche zu pumpen.

Durch eine dritte Bohrung sollte die gesamte Wassermenge wieder in die Erdkruste zurückgeführt werden, nachdem ihr die benötigte Energie entnommen wurde. Trotz mehrerer Versuche konnte die dafür erforderliche Schüttung nicht erreicht werden. Unter anderem wurde das Gestein mit einer Säurelösung «stimuliert» und bei einer weiteren Teufung ein anderer Bohrwinkel gewählt (wir berichteten).

Die Kosten für die bisherigen Arbeiten summieren sich auf etliche Millionen Euro. Bevor der Bohrmeißel überhaupt das erste Mal angesetzt wurde, waren nach damaligen Unternehmensangaben bereits zehn Millionen Euro in die Voruntersuchungen investiert worden. Kalkuliert waren damals rund 40 Millionen Euro Gesamtkosten. Der überwiegende Teil, rund 60 Prozent, entfallen laut Exorka auf die Bohrkosten.

Derzeit wird ausgewertet

Dem Vernehmen nach soll das ehrgeizige Unternehmen nun jedoch nicht begraben werden. Im Gespräch ist derzeit, den Energieträger Wasser künftig in anderer Form für die Wärme- und Stromgewinnung zu nutzen, wobei allerdings die Mengen oder Temperaturen geringer wären als geplant. Welches Energiekonzept und welche Technik dabei in welchem Zeitraum zum Tragen kommt, steht aber noch nicht fest. Auch über den Abbau des Bohrturms wurde offenbar noch nicht entschieden. Neue Erkenntnisse lägen möglicherweise nicht vor Ende des Sommers vor, teilt Bems lediglich mit und betont: «Wir werden noch eine gute Weile in Mauerstetten zugegen sein.»

Mauerstettens Bürgermeister Armin Holderried möchte sich derzeit nicht zu dem Thema äußern, da ihn eigenen Angaben zufolge noch keine offiziellen Informationen erreicht haben. Auch Kaufbeurens Wirtschaftsreferent Siegfried Knaak liegt keine Stellungsnahme von Exorka vor. Die Enttäuschung dürfte aber groß sein: In den Rathäusern hatte man sich angesichts des Potenzials sauberer Energie immer hellauf begeistert gezeigt. Mehrere Unternehmen verfolgten die Bohrarbeiten ebenfalls mit hohen Erwartungen; teilweise wurden bei Industrieneubauten bereits die notwendigen Anschlüsse eingeplant.

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