Oper
Genussvoller Sommerabend - Aufführung von Verdis Nabucco im Hofgarten der Kemptener Residenz

Im Hofgarten der Kemptener Residenz war großes Musiktheater zu erleben: Giuseppe Verdis frühe Oper 'Nabucco' (Uraufführung vor 170 Jahren). Das lyrisch-musikalische Drama thematisiert den Befreiungskampf der Israeliten gegen die Herrschaft Babylons und setzt auf große Gefühle. Es ist ein Spiel von Liebe, Macht und Intrige.

Aufgeführt wurde Verdis erste erfolgreiche Oper vom Opernensemble 'Statione d’Opera Italiana'. Das Ensemble kann selbst als Gesamtkunstwerk bezeichnet werden.

Das Orchester, die Sängerinnen und Sänger in ihren opulenten Kostümen und teilweise prachtvollen Gewändern sowie das Bühnenbild bildeten eine Einheit ohne Brüche.

Die Italiener haben Nabucco als Metapher für den Widerstand gegen die damalige Vormacht Habsburgs (romantisierend) vereinnahmt, und man kann verstehen, wenn Enthusiasten meinen: Wer Nabucco kennt, kennt die italienische Seele.

Das Werk steht musikalisch noch in der Tradition des 'Belcanto', Verdi greift jedoch voraus bis in die Zeit des 'Verismo', und das Publikum genießt die melodienreiche, gefühlvolle Musik. Die Aufführung in Kempten war in diesem Sinne höchst genussvoll.

Revolutionär ist die Inszenierung von Giovanni Rico allerdings nicht. Dies ist jedoch kein Mangel; vielmehr ist die grundsolide Aufführung dieser 'Volksoper' von großer Überzeugungskraft.

Die musikalische Präsentation war ausgezeichnet, obwohl man mit den spezifischen Problemen einer Open-Air-Aufführung (etwa die Übertragung über Mikrofone und Verstärkeranlage) zurechtkommen musste.

Gefangenenchor wiederholt

Hoch konzentriert hatte der Dirigent Silvano Frontalini das Geschehen stets im Blick und sorgte für beste musikalische Übereinstimmung zwischen Bühne und Orchester.

Der keineswegs einfache Orchesterpart mit anspruchsvoller Bläserbesetzung wurde perfekt und präzise ausgeführt. Die Beherrschung der enormen Dynamik und Rhythmik, bis hin zu vielgestaltigen Phrasierungen etwa von Triolen, war beeindruckend.

Der eigentliche 'Protagonist' der Oper ist jedoch der Chor der Hebräer. Bei rein choristischen Abschnitten, aber auch in der Verschmelzung von Chor und Solisten in den häufig gemeinsamen Partien, zeigte sich die hohe Kunst und die Disziplin der Sängerinnen und Sänger. Ein ausgezeichneter Opernchor. Natürlich wartete das Publikum auf den berühmten 'Gefangenenchor'.

Der gefühlvolle Unisono-Gesang im 4/4-Takt und in verträumt-melancholischem Fis-Dur hat enorme Verbreitung gefunden und wurde als Zugabe wiederholt. Die Hauptfigur der Oper, Abigaile, wurde von der 'Primadonna' Luisella de Pietro gegeben, die durch ihren souveränen musikalischen Vortrag und ihre Darstellung begeisterte.

Mit seinem stoischen Gestus und seinem feinen, sauberen Bass gefiel Ion Vrasmas in der Rolle des Hohen Priesters Zaccaria. Nicht weniger überzeugend waren die anderen Solisten wie Alfio Grasso als Nabucco, Asineta Raducan als Fenena, Leonardo Gramegna als Ismaele und Dan Dumitrana als Offizier.

Rund 1400 Menschen erlebten einen musikalischen Sommerabend, wie er kaum schöner hätte sein können.

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