Westallgäu
Gemeinden prüfen Leitungskauf

Die Stromversorgung im Westallgäu steht möglicherweise vor einem historischen Einschnitt. Einige Gemeinden prüfen, ob sie die Ortsnetze der Vorarlberger Kraftwerke übernehmen, beziehungsweise sich daran beteiligen sollen. Das war Anlass für die VKW, alle Bürgermeister und Gemeinderäte zu einem Gespräch ins Scheidegger Kurhaus einzuladen.

Seit 100 Jahren kümmern sich die Vorarlberger Kraftwerke um die Versorgung des Westallgäus. Das Unternehmen liefert Strom und unterhält das Leitungsnetz. Beides ist seit Jahren rechtlich und wirtschaftlich getrennt. Während sich seit 1998 jeder Bürger seinen Stromlieferanten frei wählen kann, ist der Betrieb des Netzes an den Abschluss eines Konzessionsvertrages mit den Städten und Gemeinden gebunden. Die Verträge laufen im Westallgäu Ende 2011 aus und sind entsprechend den gesetzlichen Vorgaben im vergangenen Jahr neu ausgeschrieben worden. Beworben haben sich die VKW, aber teilweise auch die Gemeinden selber. Das ist formal Voraussetzung, um in das Geschäft mit den Stromleitungen einsteigen zu können.

Um ihre Möglichkeiten auszuloten, haben acht Gemeinden unter Führung von Lindenberg ein unabhängiges Fachbüro eingeschaltet. «Wir sind verpflichtet, den wirtschaftlich größten Vorteil für die Gemeinden zu suchen», erklärte Lindenbergs Bürgermeister Johann Zeh das Vorgehen. Denkbar wäre eine Beteiligung der Gemeinden an dem Allgäuer Netz der VKW, aber auch eine komplette Übernahme, beispielsweise durch ein Kommunalwerk. Interesse signalisiert haben die Lindenberger Stadtwerke, die Teile des Westallgäus mit Gas und Wasser versorgen. Sie haben mit der Thüga einen großen Stromlieferanten im Hintergrund. Eine Übernahme von Ortsnetzen würde den Stadtwerken zudem die Möglichkeit eröffnen, Thüga-Strom zu verkaufen.

Der neue Betreiber wäre für den Ausbau und die Instandhaltung des Netzes verantwortlich, müsste also beispielsweise Störungen beheben. Im Gegenzug bekäme er Geld von den Unternehmen, die Strom an den Endkunden verkaufen. Diese Netztarife sind reguliert, unterliegen also staatlicher Kontrolle. Die Fachleute sollen auch untersuchen, ob sich eine Übernahme des Netzes für die Kommunen lohnt. Es geht den Gemeinden aber nicht nur um die Finanzen, sondern auch um die Frage, «wie wir bei Zukunftsfragen wie Telekommunikation und E-Mobilität gehört werden», formulierte es Karl-Heinz Rudolph, Bürgermeister von Weiler-Simmerberg.

Die VKW ihrerseits wollen ihr Allgäuer Netz behalten, allein oder gemeinsam mit den Kommunen. «Wir sind offen für eine Beteiligung der Gemeinden. Es wäre gut, wenn wir gemeinsam ein Modell entwickeln könnten», so Dr. Christof Germann, Vorstandsmitglied der VKW. Grundsätzlich wäre es auch möglich, das Westallgäuer Netz zu trennen, in eines mit Beteiligung der VKW und eines ohne. Die Entflechtung wäre nach Angaben des Unternehmens aber technisch aufwendig und entsprechend teuer. Germann: «Es würde niemand gewinnen, wenn wir das Netz in mehrere kleinere Einheiten aufteilen müssten».

Eine Schlüsselrolle kommt Lindenberg zu. Sollte die Stadt sich von den VKW abwenden, hätte das Folgen für das ganze Westallgäuer Versorgungsgebiet. «Uns würde das Filetstück fehlen» (Dr. Germann). In dem Fall würde das Unternehmen seine Betriebsstelle in Lindenberg aufgeben. «Wir», so Dr. German, «müssten dann überlegen, wie wir die restlichen Gemeinden betreuen könnten».

Autor:

Allgäuer Zeitung aus Kempten

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