Kempten
Geld für überforderte Familien soll umgeleitet werden

Babys, die nächtelang schreien, Mütter, denen das Leben mit Kind über den Kopf zu wachsen droht: Um Familien in der Krise kümmert sich seit zwei Jahren die Mama-Baby-Hilfe. 65 Mütter aus Kempten und dem Oberallgäu wurden 2008 betreut. Allerdings könnte das Projekt, das seinerzeit auch auf Betreiben des Kemptener Jugendamts zustande kam, schon bald Vergangenheit sein in der Stadt. Das Jugendamt beabsichtigt nämlich, so erläuterte Leiter Matthias Haugg, die Finanzierung einzustellen. Grund sei die Neueinrichtung der sogenannten Koordinierenden Kinderschutzstelle (Koki). Dieses vom Freistaat geförderte Projekt habe nicht nur die identische Zielrichtung wie die Mama-Baby-Hilfe - es könne mit zwei Mitarbeiterinnen und 58,5 Wochenstunden (Mama-Baby-Hilfe: zehn Stunden/Woche für Kempten) sogar noch mehr leisten. Beide Projekte zu finanzieren, hält Haugg nicht für sinnvoll.

Im Jugendhilfeausschuss, dem das Thema nicht zur Entscheidung, sondern zur Kenntnis vorgelegt wurde, gab es unterschiedliche Meinungen: «Wir sind in Kempten stolz darauf, immer etwas mehr zu tun als andere», gab Erna-Kathrein Groll (Grüne) zu bedenken. Sie schlug vor, erst einmal beide Stellen parallel arbeiten zu lassen. Daraufhin erwiderte Jugendamtsleiter Haugg, dass die Mama-Baby-Hilfe («deren hervorragende Arbeit soll auf keinen Fall abgewertet werden») auch nach der Kündigung noch bis zum nächsten Sommer weiterlaufe: «Dann haben wir ein halbes Jahr Übergangszeit.» Andere befürchteten, dass die Anbindung der Koki ans Jugendamt eine zu große Hürde darstellen könnte. «Eltern könnten Bedenken haben, sich an eine Stelle zu wenden, die zum Jugendamt gehört», fasste Kinderarzt Dr. Thomas Potthast zusammen. Diese Sorge versuchte Jugendamtsleiter Haugg zu zerstreuen: «Die Koki arbeitet losgelöst und der Datenschutz ist gewährleistet.»

Klaus Klarer, als Leiter des Erziehungs- und Jugendhilfeverbunds Vertreter des Trägers der Mama-Baby-Hilfe, hält den Ausstieg der Stadt für den falschen Schritt. Er hofft nun, dass wenigstens das Oberallgäu im Boot bleibt. Das Thema kommt wahrscheinlich schon heute im Jugendhilfeausschuss des Landkreises zur Sprache.

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

© Allgäuer Zeitungsverlag GmbH / rta.design GmbH

Powered by PEIQ

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen