Special Fasching im Allgäu SPECIAL

Gelähmte laufen, Blinde gehen

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Von Otto Fritsch Kaufbeuren Ergreifende Szenen spielten sich zur Eröffnung des neuen 'Gesundheitszentrums rechts der Wertach' ab. Gelähmte konnten plötzlich laufen, Blinde wieder sehen. Fußmarode warfen ihre Krücken weg, und selbst Unfallopfer mit schwersten Kopfverletzungen wagten sich auf die Tanzfläche der revolutionären und klassenlosen Klinik. Hunderte Mediziner waren Augenzeugen des Wunders, das bis in die frühen Morgenstunden hinein andauerte. Ausgelöst wurden die Spontanheilungen vermutlich durch laute Musik.

Möglicherweise besteht auch ein Zusammenhang mit verborgenen Wasseradern, die unter dem Gesundheitszentrum, dem ehemaligen Kaufbeurer Stadtsaal, verlaufen sollen. Das würde auch die geheimnisvolle Rolle der Kaufbeurer Feuerwehren erklären. Die, so munkelt man, haben die Leitung der Klinik übernommen und setzen auf die heilende Wirkung einer anständigen Faschingsgaudi. Generalsstabsmäßig und in einer perfekt arrangierten Großübung umgesetzt - das versteht sich beim traditionellen Faschingsball der Stadtfeuerwehren von selbst.

Doch diesmal wurde mit dem 'Gesundheitszentrum' ein Motto gewählt, das eines deutlich macht: Wenn’s sein muss, dann trauen sich die Lebensretter aus Leidenschaft so ziemlich alles zu, komplizierte Operationen inklusive. In vier liebevoll ausgestatteten Behandlungsboxen wurden Privat- und Kassenpatienten zusammen behandelt. Auch das ein absolutes Novum, das selbst drastische Befunde beim Eingangsröntgen (wie etwa ein Feuerwehrauto im Magenbereich) für die Kranken erträglich machte.

Ein Vorhang so rot wie Blut

Die befanden sich allerdings auch beim Publikum in der absoluten Minderheit, was nicht nur wegen der Gesundheitsreform einleuchtet. Wer ist schon gerne krank, wenn er auch ein Chirurg, ein ärztlicher Direktor, eine Fachärztin oder eine Krankenschwester sein kann? So wimmelte es auf dem Parkett von grünen, weißen, türkisen und blauen Kitteln - was einen prima Kontrast zur Stadtsaal-Galerie abgab, die passend zum Thema mit einem an venöses Blut erinnernden Vorhang geschmückt war. Gruslig echt die Schilder aus dem alten Klinikum an der Heinzelmannstraße. Exoten wie die rote Vitamin-C-Erdbeere ('Damit ma it krank wird') und die grüne 'Linke Bazille' wurden freundlich toleriert. Heftig nachgefragt waren das Skelett fürs Erinnerungsfoto und die künstlichen siamesischen Zwillinge.

Für die Stadtchronik: Das Wunder begann um 20.17 Uhr mit den ersten Takten aus der 'Schwarzwaldklinik'-Melodie. Die allein vertrieben schon so manches Wehwehchen. Dann legte die Bierzelterprobte Band 'Allgäu Power' ein paar kräftige Tanz-Oldies nach, und das Wunder nahm seinen Lauf. Die endgültige Heilung selbst bei Problemfällen garantierten die bekannt-berüchtigten Sketche der Brandbekämpfer. Die Truppe wurde (leider) nur zweimal zum Einsatz gerufen, laut Operationsplan exakt um 21.30 Uhr und um 22.30 Uhr.

P.S.: Die Nebenwirkungen der ungewöhnlichen Behandlungsmethoden sind nach Angaben des Gesundheitszentrums vernachlässigbar. Vereinzelt könne es tags drauf aber zu Unwohlsein in der Magengegend und leichten Kopfschmerzen kommen, auch brennende Fußsohlen und allgemeine Erschöpfungszustände seien nicht gänzlich auszuschließen.

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