Special Prozesse im Allgäu SPECIAL

Prozess
Gegner mit dem Kopf an den Randstein gestoßen

Das Landgericht Kempten hat einen 38-jährigen Mann wegen gefährlicher Körperverletzung zu einer Freiheitsstrafe von fünf Jahren verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der Angeklagte einen türkischen Landsmann zweimal mit dem Kopf an einen Randstein gestoßen hat. So stark, dass das Opfer einen Schädelbruch und ein Schädel-Hirn-Trauma davontrug. Der Mann war zunächst wegen versuchten Totschlags angeklagt. Eine Tötungsabsicht ließ sich Laufe des Verfahrens jedoch nicht nachweisen.

Der Vorfall ereignete sich im Juli dieses Jahres in Kempten, wo der Angeklagte einen Kiosk betrieb. Der 38-Jährige saß am Abend des Tattages mit einem Freund vor seinem Kiosk, als das spätere Opfer vorbei lief. Der ebenfalls 38 Jahre alte Mann war zu diesem Zeitpunkt bereits stark betrunken - die Polizei stellte später einen Promillewert von 2,7 fest. Der Mann schrie etwas in Richtung des Kioskbetreibers, wodurch sich dieser provoziert fühlte. Als der Betrunkene trotz Aufforderung nicht verschwinden wollte, ging der Angeklagte auf seinen körperlich stark unterlegenen Landsmann zu, packte ihn und schleifte ihn etwa zehn Meter in Richtung eines Baumes. Dort schleuderte er ihn auf einen etwa 15 Zentimeter hohen Randstein aus Granit, mit dem der Baum eingefasst war. Aufgrund der Alkoholisierung war das Opfer kaum zu einer Gegenwehr fähig.

Und so packte der Angeklagte den am Boden liegenden, röchelnden Mann erneut, hob ihn an dessen Gürtel in die Luft und schleuderte ihn ein zweites Mal auf den Randstein, wo dieser mit dem Hinterkopf aufschlug. Anschließend verließ der Angeklagte den Tatort.

Diese Darstellung der Staatsanwaltschaft bestätigte der Angeklagte in Teilen. Er habe das Opfer nur einmal von sich weggestoßen, woraufhin der Mann am Boden liegen geblieben sei. «Ich dachte, er ist ohnmächtig, weil er so viel getrunken hat», sagte der Angeklagte. Auslöser der Auseinandersetzung seien die Provokationen des Betrunkenen gewesen. «Er hat meine Familie - meine Mutter, meine Frau und meine Kinder - auf schlimmste Weise beschimpft.»

Der Angeklagte gab zu, ein «Drogenproblem» zu haben. Seit Mitte der 90er Jahre habe er regelmäßig Cannabis und Kokain konsumiert. «Und durch Kokain werde ich aggressiv.» Auch in der Nacht vor der Tat schnupfte er nach eigenen Aussagen Kokain und rauchte am Tattag zwei Joints. «Vielleicht habe ich die Situation an diesem Tag falsch eingeschätzt», räumte der Angeklagte ein. Im Gerichtssaal entschuldigte er sich bei seinem Opfer. Der 38-Jährige trat vor Gericht auch als Nebenkläger auf. Er könne sich an das Geschehen in keinster Weise mehr erinnern, sagte der Mann.

Neben der fünfjährigen Haftstrafe ordnete das Gericht eine Unterbringung in einer Entziehungsanstalt an.

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