Studium
Gegensätze pur: Studieren in Istanbul

Normalerweise studiert Isabel Fischer in Ravensburg an der Dualen Hochschule und absolviert ihre Praxisphase bei der Memminger Zeitung. Zurzeit studiert sie jedoch für ein Auslandssemester in der Türkei und berichtet in loser Folge über das Leben am Bosporus.

Lächeln scheint nicht seine Stärke gewesen zu sein. Eingefasst in einen goldenen Rahmen, prominent über der Tafel platziert, sieht Mustafa Kemal Atatürk mit strengem Blick auf die Studenten im Vorlesungssaal ­hinunter. Über den Campus der Istanbul Universität verteilt finden sich weitere Bilder, Flaggen und Statuen – ein Patriotismus, der für Deutsche anfangs befremdlich wirkt.

Doch Atatürk, der Vater der modernen Türkei, veränderte das Land mit Hilfe seiner Reformen, indem unter anderem die allgemeine, unentgeltliche Schulpflicht eingeführt wurde. Deshalb sind auch junge Menschen vier Generationen nach seinem Tod noch stolz auf ihn.

Doch nicht nur diese offene 'Mutterlandsliebe', wie die Türken sie nennen, ist etwas, an das sich ausländische Studenten gewöhnen müssen. Mit 20 Fakultäten und zwölf Campussen wirkt die Istanbul Universität wie ein riesiger, unüberwindbarer Dschungel der Bürokratie. Viele Informationen sind nur auf Türkisch zu erhalten – auch verhandlungssicheres Englisch hilft nicht immer. Sich mit Hilfe von Körper- und Zeichensprache durch Formalitäten zu kämpfen geht nach einem Monat in Istanbul bereits in Fleisch und Blut über.

Was in Deutschland oft abfällig als 'Hotel Mama' bezeichnet wird, ist in der Türkei die Regel: Bis zum Ende ihres Studiums bleiben junge Türken meist bei ihrer Familie. Diejenigen, die doch aus anderen Städten nach Istanbul kommen, leben in Studentenwohnheimen. Wohngemeinschaften sind, abgesehen von Erasmus-Studenten, wenig verbreitet und gelten eher als zwielichtig.

Sicherheit und Ordnung wird auf dem Universitätsgelände großgeschrieben. Es ist etwas seltsam, sich jeden Tag am Eingang auszuweisen oder einen Metalldetektor zu passieren. Einige Wohnheime können sogar nur mit Fingerabdruck betreten werden.Im Gegensatz zu den Campusregeln sind die türkischen Studenten locker. Auch wenn es manchmal Verständigungschwierigkeiten gibt, sind sie stets hilfsbereit. Viele von ihnen waren noch nie in einem anderem Land. Denn visafreies Reisen ist selbst in der Europäischen Union mit viel Aufwand verbunden. Anderen machen die besorgten Eltern einen Strich durch die Rechnung, wieder andere lieben die Türkei zu sehr und wollen schlichtweg an keinem anderen Ort sein. Interessiert sind sie jedoch alle. Und egal wie unüberwindbar, laut und schwierig alles an manchen Tagen in Istanbul scheint, so ist dort immer ein netter Kommilitone, an den Studenten sich wenden können. Die meisten von ihnen lächeln sogar.

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