Kempten
Gefühlvoll gesungen

Das «Stabat Mater», ein mittelalterlicher Hymnus auf die Leiden Mariens unter dem Kreuz, vertonten unzählige Komponisten. In Kempten waren in diesem Jahr zwei Beispiele zu hören. Im Frühjahr die Version von Antonin Dvoák und nun in der Basilika St. Lorenz das Stabat Mater von Franz Schubert. In der katholischen Kirche ist der Text fester Bestandteil der Liturgie. Chordirektor Benedikt Bonelli hat den Charakter der emotionsreichen, romantischen zwölfteiligen Sequenz ausgezeichnet herausgearbeitet.

Man wird erinnert an die Innigkeit und die Emotionalität von Mozart und Mendelssohn, aber auch an den Glanz eines Händel-Chores. Herausragende Partien haben dabei die Solisten, insbesondere Sopran und Tenor. In ausgezeichneter Besetzung sangen: Barbara van den Boom (Sopran), Christopher Kaplan (Tenor) und Thomas Gropper (Bass). Der Tenor und die Sopranistin gaben bereits in drei kleineren geistlichen Einzelwerken von Schubert zu Beginn des Konzertes einen Eindruck von ihrem Können und ihrer wunderbaren Stimmführung.

Enorme Höhen

Der junge Christopher Kaplan sang das «Intende Voci» klar und unangestrengt, gut «unterlegt» vom Orchester und dem Chor. Ergreifend präsentierte die Sopranistin ein «Salve Regina». Das Jugendwerk Schuberts ist gesangstechnisch anspruchsvoll, mit enormen Höhen und großen Intervallen. Passagen wie «dulcis virgo Maria» gelangen ihr bestens, ohne zu eilen oder schrill zu werden.

In der opernhaften Duett-Arie «Auguste jam coelestiam» schließlich zeigten Sopranistin und Tenor ihr gutes Zusammenspiel, das auch im folgenden Stabat Mater durchgängig zu genießen war.

In der (einzigen) Bass-Arie vom «Leiden in dieser Welt» gab Thomas Gropper, der sich ansonsten in den Terzetten sensibel einfügte, ein Beispiel für seine gepflegte Gesangskunst - besonders eindrucksvoll bei den Schlussworten « alle Leiden dieser Welt».

Ein wenig fehlt die Transparenz

Bei allen Teilen waren Instrumentalisten und das Orchester ausgezeichnet aufeinander abgestimmt. Hervorgehoben seien Oboe, Fagotte und die glänzenden Hörner.

Der Chor hatte seine Höhepunkte in drei Teilen. Der innige Teil 5 wurde ergreifend gesungen und textgestalterische Abschnitte (etwa beim Wort «Himmel») ausgezeichnet geformt. Die Fuge «Erben sollen sie am Throne» wird vom Chor-Bass in kraftvollem homogen Forte eingeleitet. Nicht ganz so mutig folgen Tenor und Alt, bis der Sopran wirkungsvoll hinzukommt.

Schön gesungen, wenn es in der Durchführung auch ein wenig an Transparenz fehlte. Umso brillanter gelang der Schlussteil, die große Amen-Fuge. Wieder wurde das Fugenthema vom Bass mit Entschlossenheit vorgestellt und vom Tenor mutig aufgegriffen. Bis zu den mächtigen, parallel laufenden Amen-Rufen in den letzten Takten stimmte alles, und der Chor setzte einen eindrucksvollen Schlusspunkt.

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