Allgäu
Gefahr im Verzug bei der Magnuskirche

Sieben Kapellen und eine Kirche sind im Besitz der Stadt Marktoberdorf. In den letzten 20 Jahren wurden fünf der Kapellen restauriert, nicht aber die Leuterschacher Wallfahrtskirche St. Magnus. Nun aber ist das Gotteshaus unerwartet auf die Dringlichkeitsliste gerückt: Vom Turm sind große Gesimsteile in die Tiefe gestürzt und im Inneren des im Jahr 1707 eingeweihten Bauwerks zeigen sich tiefe Risse im Gemäuer. Ein Schutzgerüst soll nun vor weiteren Schäden bewahren. An eine Sanierung noch in diesem Jahr sei aber nicht zu denken, sagt Stadtarchitekt Peter Lederle.

Wöchentlich werde die Kirche nun kontrolliert, machen Architekt Lederle und der neue Bauhofleiter Thomas Follner deutlich, dass sie das Ausmaß der Schäden für beträchtlich halten. Als im April schädelgroße Mauerteile vom Turm in die Tiefe sausten, war die Lage gefährlich. Von der Feuerwehrleiter aus wurden schnell die anderen lockeren Teile abgeschlagen, um Gefahren für Passanten zu vermeiden. Darüber hinaus wurde ein Gerüst am Turm aufgestellt, um fallende Steine aufzufangen und die gefährdeten Bereiche am Boden abzusperren. Mittlerweile ist es wieder abgebaut, weil keine Gefahr mehr zu drohen scheine, so Lederle.

Was freilich nicht heißt, dass die Sanierung nicht alsbald angegangen werden muss. Denn auch im Innern der Kirche zeigen sich an der Decke tiefe Risse. Woher diese kommen, sei noch unklar, sagt Stadtarchitekt Lederle. Den zunächst vermuteten Grund, nämlich ein morsches Dachgebälk, kann er nach einer Kontrolle mehr oder weniger ausschließen: «Der Dachstuhl scheint trocken und in Ordnung zu sein». Möglicherweise seien die Risse statisch bedingt. Sogenannte Gipsmarken sollen nun aufzeigen, ob sich die Rissbildung weiter fortsetzt.

Schon früher Probleme mit Turm

Die letzte Sanierung der Kirche liegt wohl schon über zwei Jahrzehnte zurück, meint Hans Krumm, der seit 30 Jahren Mesner in St. Magnus und St. Johannes Baptist in Leuterschach ist. Damals wurde auch der Sims am Turm von St. Magnus saniert - der aber schon einige Jahre später erneut abbröckelte. Er sei dann stellenweise erneut saniert worden, erinnert sich Lederle. Was damals nicht repariert worden sei, bereite nun die Probleme.

Heuer keine Mittel

Lederle wird demnächst Kontakt mit dem Amt für Denkmalpflege aufnehmen, um das weitere Vorgehen abzuklären. Da der diesjährige städtische Haushalt keine Mittel für eine Sanierung enthält, muss damit bis 2010 gewartet werden. Wie teuer die Reparaturen kommen, weiß er nicht. Doch sind er und Follner sich sicher: «Das wird teuer.» Wobei vor allem die Sanierung des Kirchen-Innern kräftig zu Buche schlagen dürfte.

In der Magnus-Kirche wird schon lange nicht mehr regelmäßig Messe gehalten. Dann und wann Wallfahrten, Bittgottesdienste, das Pfarrfest, manchmal eine Hochzeit - viel öfter muss Mesner Krumm sein barockes Schmuckstück nicht aufschließen. Das Magnus-Fest am 6. September sehen Krumm und Lederle nicht gefährdet, denn das werde im Freien gefeiert. Ob freilich 2010 in dem Kirchlein Jubiläum werden kann, steht wohl noch in den Sternen. Denn nächstes Jahr sind es 525 Jahre her, dass eine Kapelle im «Leuterschacher Feld» in alten Aufzeichnungen erstmals Erwähnung fand.

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