Sonthofen / Oberallgäu
Gefängnis wegen 150 Euro

Weit auseinander lagen die Schlussfolgerungen von Staatsanwalt und Verteidigerin bei einem Verfahren vor dem Amtsgericht Sonthofen. Hatte sich ein 35 Jahre alter Handwerker tatsächlich an einer Geldkassette vergriffen oder nicht? Während die Rechtsanwältin auf den juristischen Grundsatz pochte, dass im Zweifel zugunsten des Angeklagten auf Freispruch entschieden werden muss, sah der Staatsanwalt die Tat als erwiesen an und forderte gleich acht Monate Haft. Dieses Strafmaß für einen «besonders schweren Fall des Diebstahls» - so heißt es im Juristen-Deutsch - verhängte denn auch Richter Andy Kögl. Bewährung gab s nicht mehr. Kögl berief sich in seinem Urteil auf eine lückenlose Indizienkette. Er berücksichtigte zudem das üppige Sündenregister des vielfach Vorbestraften, unter anderem wegen einer Diebstahls-Serie.

Eigentlich ging es nur um geschätzte 150 Euro, die in einer verschlossenen roten Geldkassette in einem Schrank eines verschlossenen Kellerraums des Oberstdorfer Gertrud-von-le-Fort-Gymnasiums geruht hatten. Nur drei Schüler der Schülermitverwaltung (SMV) konnten direkt auf das Behältnis zugreifen. Noch vor den Weihnachtsferien war die Kassette mit vielen Münzen gefüllt gewesen. Leer und mit einem Schraubenzieher aufgehebelt fanden die Gymnasiasten ihre Spardose im Januar vor. In der Zwischenzeit hatte der Handwerker Zugang zu dem Kellerraum gehabt, weil in der Schule Rauchmelder installiert werden mussten. Der Verdacht fiel sofort auf ihn. Mehrere Fingerabdrücke des einschlägig Vorbestraften wurden entdeckt, darunter eine verräterische Spur direkt im Münzfach.

In einer Plastiktüte auf dem Tisch

Vor Gericht gab der Mann eine Version zum Besten, die weder der Richter noch der Staatsanwalt für glaubwürdig hielten. Danach habe der Geldbehälter in einer Plastiktüte just auf dem Tisch gelegen, den er gerade habe besteigen wollen, um den Rauchmelder anzuschrauben. «Ich habe die Tüte nur weggestellt», beteuerte der Angeklagte. Doch ein Lehrling, der dem Arbeiter zeitweise beigesellt war und jetzt als Zeuge vor Gericht angehört wurde, wollte nie eine Tüte gesehen haben. Die Verteidigerin indes machte darauf aufmerksam, dass ja auch andere Personen für den Diebstahl in Frage kommen könnten. «Vernünftige Zweifel an Ihrer Täterschaft bestehen nicht», konterte der Richter gegenüber dem Beschuldigten.

In das noch nicht rechtskräftige Urteil ist ein Ladendiebstahl einbezogen, bei dem der 35-Jährige kurz darauf in einem Immenstädter Handwerkermarkt erwischt worden war. Batterien und Blumendünger sollten seine Beute werden. Immerhin diese Tat gestand er ein. Er habe seinen Geldbeutel vergessen, lautete die achselzuckende Erklärung.

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