Unterallgäu
«Gefährlicher Neubürger»

Wer von «Nektar und Ambrosia» hört, assoziiert damit eigentlich etwas besonders Angenehmes und Wohltuendes. Bei der Pflanze namens «Ambrosia artemisiifolia» - zu deutsch «Beifußblättrige Ambrosie» - wäre dies verfehlt, denn sie tut dem Menschen alles andere als gut.

Der Mindelheimer Botaniker Hansjörg Hackel weiß, dass die Heimat des 30 bis 150 Zentimeter hoch werdenden Körbchenblütlers Mexiko und die Südstaaten der USA sind. «Erstmals im Allgäu», so Hackel, «ist die Pflanze 1914 im Pfarrgarten von Oberauerbach nachgewiesen worden.»

Gefährlich sei nicht das Kraut der Pflanze. Das Problem sind vielmehr laut Hackel die bis zu einer Milliarde Pollen, die die Pflanze im Laufe des Spätsommers und des Herbstes verstäuben kann. Ambrosia wird nicht von Insekten bestäubt, sondern ist ein «Windblütler», das heißt, sie blüht «dem Wind entgegen», damit dieser die Pollen gut aus den kleinen gelblichen Körbchenblüten heraus blasen kann. Hackel erklärt: «Für den Laien sind Ambrosia-Pollen gelbgrüner Staub. Erst das Elektronenmikroskop zeigt ihre wahre Gefährlichkeit.

In der Vergrößerung gleichen sie kleinen, stachelbewehrten, größtenteils mit Widerhaken versehenen Morgensternen.» Mit Morgenstern sei hier nicht der Stern, sondern die brutale Waffe aus den Bauernkriegen gemeint.

Pollen-Morgensterne bohren sich in Hautteile

Hackel weiter: «Die winzig kleinen Pollen-Morgensterne bohren sich bei Kontakt in empfindliche Hautteile ein und lösen dort langwierige Entzündungen und Asthmaanfälle aus. Besonders gefährlich sind jene Pollen, die durch den Mund in die Lunge gelangen. Auch können die Augen anschwellen und stark tränen.» Eine weitere unerfreuliche Folge können allergisch bedingte Hauterkrankungen sein.

Laut Hackel ist es wichtig, den «gefährlichen Pflanzen-Neubürger» zu dezimieren: «Solange die Pflanze nicht blüht, kann sie einfach ausgerissen und in einer Plastiktüte über den Hausmüll entsorgt werden. Haben sich aber erst einmal die Blütenstände entwickelt - von Anfang August bis etwa Mitte Oktober - , sind zur Entsorgung Mund- und Augenschutz sowie Handschuhe erforderlich. Die Pflanze muss als Ganzes ausgerissen werden, weil sonst der Wurzelstock erneut austreibt.»

Zur Entsorgung größerer Bestände sollte der Kreisfachberater für Obst- und Gartenbau des Landratsamtes, Rupert Reinartz, hinzugezogen werden.

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