Bertoldshofen
Gedränge vor den Plänen

Stau nicht auf der Straße, sondern wegen der Straße: Am Sonntag nutzten rund 150 Bürger aus Bertoldshofen und Umgebung die Möglichkeit, die Planungsunterlagen für den Neubau der B16 und B472 im Geltnachtal in Augenschein zu nehmen. Der Andrang in der ehemaligen Schule war zeitweise so groß, dass der Platz vor den aufgehängten Planzeichnungen knapp wurde.

Zunächst war nicht vorgesehen, die Unterlagen für das Planfeststellungsverfahren im hauptbetroffenen Stadtteil Bertoldshofen auszulegen. Doch nach mehreren Anträgen der Interessengemeinschaft (IG) Umgehungsstraße Bertoldshofen/Marktoberdorf erklärte sich die Stadt bereit, die drei Ordner mit Plänen und Gutachten wenigstens über den Sonntag aus dem Rathaus zu geben, damit sich die Bürger informieren können. «Wir hatten einen zweiten Satz der Planungsunterlagen bei der Regierung von Schwaben angefordert, weil wir schon geahnt haben, dass die Bertoldshofener mit einem solchen Antrag kommen», so Stadtbaumeister Peter Münsch. Doch die Behörde habe eine weitere Ausfertigung nicht zur Verfügung gestellt.

Bei der Auslegung in Bertoldshofen herrschte bereits nach dem Gottesdienst großer Andrang. Der im Detail ausgearbeitete Trassenplan war erstmals öffentlich zu sehen und interessierte die Besucher. Überrascht zeigten sie sich von der künftigen Verkehrsführung zwischen Bertoldshofen und den Nachbarorten: «Wenn ich beim Bertoldshofener Bäcker Semmeln holen will, muss ich fast bis nach Altdorf fahren», resümierte ein Burker. Besonders bei den Landwirten sorgte dies für Empörung. Denn etliche Felder wären nur noch über große Umwege zu erreichen. Außerdem stört die Bauern, dass sie mit großen Gespannen künftig über den geplanten Verteilerkreisel nördlich des Dorfes geleitet werden. «Wenn da im Sommer der Urlauberverkehr rollt, dann möchte ich sehen, wie ich mit meinem Ladewagen 20 Fuder heimbringen soll», so ein Betroffener.

Rettungstunnel an Alter Steige

Für Verwunderung sorgten die umfangreichen Begleitbauwerke des Tunnels, der die B472 östlich von Bertoldshofen vorbeiführen soll. Bisher unbekannt war, dass ein Rettungstunnel in Ost-West-Richtung zur Alten Steige vorgetrieben werden und dort Platz für Rettungsfahrzeuge geschaffen werden soll. In den Planungen kaum berücksichtigt ist nach Ansicht vieler Besucher der zunehmende «Abkürzerverkehr» über die Verbindungsstraße Bertoldshofen-Rieder und vom Tunnel-Südportal über Burk nach Stötten. Zudem, so viele Bertoldshofener, seien die Auswirkungen der Straßendämme auf den Hochwasser-Abfluss im Geltnachtal und auf den Grundwasserpegel ungenügend untersucht worden.

Bestätigt fühlten sich viele Anwesende auch durch die Zweifel an der Entlastung für die Innenstadt, die nun im Marktoberdorfer Rathaus geäußert werden (wir berichteten). Der Flächenverbrauch und die Einkesselung Bertoldshofens durch zwei Bundesstraßen seien angesichts kaum spürbarerer Erleichterungen für die Bewohner der Kaufbeurer und Füssener Straße nicht zu rechtfertigen, hieß es.

Bei der Veranstaltung kündigten viele Besucher an, im Planfeststellungsverfahren ihre Bedenken geltend zu machen. Entsprechende Schreiben können bis 19. März an das Bauamt der Stadt gesandt werden. Die Pläne liegen noch bis Donnerstag, 5. März, zu den üblichen Öffnungszeiten im Bauamt aus.

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