Pogromnacht
Gedenkstunde für Opfer der Nationalsozialisten in Memmingen

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Nach Worten suchen. Sich mit der Sprache vorsichtig voran tasten. Begriffe für das Unfassbare finden. Damit die Pogromnacht am 9. November 1938 (siehe auch Infokasten) niemals in Vergessenheit gerät. Aus diesem Grund haben sich an diesem Abend rund 200 Menschen beim Gedenkstein am Schweizerberg versammelt. An dem Ort also, wo bis zu jenen düsteren Novembertagen vor 73 Jahren die jüdische Synagoge stand. Bis sie von den Nazis zunächst geschändet und anschließend gesprengt wurde.

An diese Zeit des Hasses wollen sich Bürger und Vertreter des öffentlichen Lebens erinnern. Sie schweigen andächtig und lauschen zunächst den wehmütigen jiddischen Klängen des Münchner Klezmer-Trios. Die Glocken von St. Josef hören gerade auf zu schlagen, als Gernot Römer ans Rednerpult tritt.

Er war bis 1994 Chefredakteur der Augsburger Allgemeinen und genießt als Experte bei der Erforschung der Geschichte der Juden in Bayerisch-Schwaben hohes Ansehen. Als Redner ist der 1929 geborene Autor für Prof. Ruth Lapide eingesprungen, die wegen einer schweren Grippe in Frankfurt am Main bleiben muss.

Römer muss nicht laut sprechen, um Gehör zu finden. Er blickt auf den 9. November 1938 in seiner Heimatstadt Wuppertal zurück: 'Ich habe dort als Neunjähriger die brennende Synagoge gesehen.' Durch seine langjährigen Forschungen weiß er, 'dass die Nazis in Memmingen in der Reichspogromnacht und in den Tagen danach besonders schlimm gewütet haben'.

Tränen fließen

Zahlreiche Zuhörer schütteln nun stumm den Kopf. Tränen fließen, als Römer vom 'Fräulein Anna' erzählt, das 1903 in Ungerhausen geboren wurde und Lehrmädchen beim Juden Julius Heilbronner war. Leise berichtet Römer, wie sich das Fräulein Anna um eine Telefonverbindung in die Reichskanzlei bemüht habe, um persönlich mit Adolf Hitler zu sprechen.

Den 'Führer' habe sie nicht erreicht. Kurz darauf jedoch sei sie zwangssterilisiert worden. Römer hebt die Stimme: 'Fräulein Anna hatte Gefühl. Sie hat nicht geschwiegen wie so viele Memminger.' Der Redner schließt mit versöhnlichen Worten: 'Wir leben heute in einer sehr viel besseren Welt. Es tut gut zu sehen, wie sich gerade junge Menschen mit der damaligen Zeit auseinandersetzen.'

Beeindruckt bedankt sich Kai Kaiser von der Katholischen Arbeitnehmerbewegung (KAB) bei allen Anwesenden: 'Vielen Dank für Ihr überwältigendes Zeichen gegen das Vergessen.' Die KAB veranstaltet die Gedenkstunde gemeinsam mit dem Deutschen Gewerkschaftsbund und der Deutsch-Israelischen Gesellschaft. Schirmherr ist Oberbürgermeister Dr. Ivo Holzinger. Er sagt: 'Wir verneigen uns mit Respekt vor den Opfern.'

Hoffnungsfroh endet die Gedenkstunde: Thilo Jörgl vom Klezmer-Trio lädt alle dazu ein, beim Lied 'Sholem' mitzusingen. Jörgl übersetzt den jiddischen Text: 'Ich sollte immer den Mut haben, auf die Straße zu gehen, um für den Frieden zu kämpfen.'

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