Steinholz
Gedenken und Aufruf zur Zivilcourage an der KZ-Gedenkstätte

«Wie hätten wir gehandelt in der Reichspogromnacht?» - diese Frage stellten gleich zwei Redner bei der Gedenkveranstaltung des DGB-Kreisverbands Kaufbeuren, der Kaufbeurer Initiative für Frieden und Abrüstung und der Ortsgruppe von Amnesty International an der KZ-Gedenkstätte in Steinholz. Für sie und die anderen Redner standen nicht mahnende Fingerzeige und Schuldzuweisungen, sondern der Blick auf sich selbst und das Erinnern an die Opfer des NS-Regimes im Mittelpunkt.

Trotz aller Bücher, so der stellvertretende Ostallgäuer Landrat Hubert Endhardt vor rund 80 Teilnehmern, blieb letztlich ungeklärt, warum Menschen «wie Du und ich» sich am 9. November 1938 so verhalten konnten. Deshalb solle jeder selbst überlegen, wie er in einer solchen Zeit gehandelt hätte. Das meinte auch DGB-Regionalvorsitzender Werner Gloning, zumal die «Kultur des Wegschauens und Verharmlosens» erneut weit verbreitet sei. Der Antisemitismus nehme ebenfalls zu, meinte Gloning. Er wünschte sich von allen die Zivilcourage, auf alle Ansätze von Gefahr zu reagieren. Denn wenn erst Heldentum dazu nötig werde, sei es zu spät.

Der DGB fordert laut Gloning eine so demokratische und soziale Politik, dass sie Neonazis keine Chance lässt, ein Bildungssystem, dass Jugendlichen die «Fratze des Neonazismus» hinter cooler Rockmusik zeigt und eine Demokratie, die von couragierten Demokraten getragen wird. Stefan Stegmayer von der Kaufbeurer Jugendgruppe «Die Salzstreuer» mahnte dazu, mit der Geschichte richtig umzugehen. Denn dies helfe, Verantwortung zu übernehmen, für Demokratie, Toleranz und Freiheit einzustehen. Um (mangelnde) Toleranz und Fremdenfeindlichkeit ging es in den «Markierungen» von Hans Magnus Enzensberger («Die große Wanderung»), die Walli Kamleiter und Christa Berge von Amnesty International vorlasen. Betroffen machten auch ausgewählte Texte von KZ-Insassen und Autoren wie Judith Herzberg, die die Theatergruppe Moskitos um Werner Pohl vortrug.

Die KZ-Gedenkstätte Steinholz ist 472 Menschen gewidmet, die im Lager Riederloh in fünf Monaten barbarisch zu Tode gequält wurden, so DGB-Kreisvorsitzender und Organisator Paul Meichelböck.

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