Lindenberg
Geburtshilfe Lindenberg schließt am 15. Dezember

Die Geburtshilfe im Lindenberger Dr. Otto Geßler-Krankenhaus wird zum 15. Dezember geschlossen. Dies hat gestern Nachmittag die Klinikleitung in einem Pressegespräch erklärt. Bereits seit April war die Zukunft der Abteilung in der Schwebe. Damals kündigte Dr. Friedrich Haag an, dass er im Juli seine Tätigkeit als Belegarzt im Krankenhaus beenden würde. Inzwischen konnte trotz intensiver Bemühung von Klinikleitung, einer Bürgerinitative und auch Dr. Edeltraud Zink, der verbliebenen Belegärztin, für die Geburtshilfe kein dauerhafter Nachfolger gefunden werden. «Wir sehen keine Möglichkeit, die Geburtshilfe in Lindenberg weiterzuführen», sagte Generaloberin Edith Dürr von der BRK-Schwesternschaft München, Geschäftsführerin des Dr. Otto Geßler-Krankenhauses.

Belastung enorm gewachsen

Seit Juli hatte Edeltraud Zink in Abwechslung mit dem Vertretungsarzt Dr. Oleg Böhm, der nur übergangsweise in Lindenberg ist, die Geburten betreut. «Langfristig macht die Geburtshilfe nur Sinn, wenn wir zu dritt sind», sagte Edeltraud Zink. Seit sich Haag zurückgezogen hat, sei die Belastung enorm gewachsen. Das Bedauern über das Ende der Lindenberger Geburtshilfe war der Frauenärztin beim Pressetermin anzusehen. «Das ist der schönste Teil in unserem Beruf», sagte sie.

Allerdings bedeuteten Geburten einen hohen Zeitaufwand, deshalb fänden sich nur wenige junge Kollegen für diese Aufgabe. Hinzu komme eine zunehmende Spezialisierung in der Ausbildung. Wer eine Anstellung sucht, gehe bevorzugt an große Kliniken, um dann auch im eigenen Spezialbereich eingesetzt zu werden.

Nur drei Bewerbungen

Die Rahmenbedingungen für eine Geburtshilfestation in kleineren Häusern, so ergänzte Generaloberin Edith Dürr, würden schwieriger. Der Gesetzgeber lege immer höhere Voraussetzungen fest. Außerdem zwinge das Haftungsrecht die Ärzte zu sehr teuren Versicherungen. Es habe für Lindenberg ganze drei ernst zu nehmende Bewerbungen auf die Belegarztstelle gegeben. Laut Medizinerin Zink besteht schon jetzt deutschlandweit ein Gynäkologenmangel.

Die Lindenberger Hebammen und Frauenärztin Zink wollen ihr besonders persönliches, «ganzheitliches» System der Betreuung von werdenden Familien weiterführen. Laut Susanne Schäffauer, Sprecherin der Hebammen, gab es bereits vielversprechende Gespräche mit der Lindauer Asklepios-Klinik. Hier sollen Räumlichkeiten für Westallgäuer Paare und die begleitenden Hebammen zur Verfügung gestellt werden.

Auch Edeltraud Zink will «im Rahmen der Möglichkeiten» Geburten in Lindau betreuen.

Während Mitte Dezember die Geburtshilfe das Dr. Otto-Geßler Lindenberg endgültig verlassen wird, ist es laut Klinikleitung durchaus möglich, dass die operative Gynäkologie im Haus irgendwann wieder aufgenommen wird. Für diese Aufgabe finde sich leichter ein Belegarzt, der gleichzeitig auch die Nachfolge eines der niedergelassenen Frauenärzte im Westallgäu übernehmen könnte, so Generaloberin Dürr. Bis einer der praktizierenden Kollegen in Ruhestand gehe, sei durchaus auch eine Übergangslösung - etwa eine Anstellung am Krankenhaus - denkbar, sagten Dürr und Zink.

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